Kubas Revolution in Farbe: Moskauer Puschkin-Museum zeigt historische Plakatkunst

Kubas Revolution in Farbe: Moskauer Puschkin-Museum zeigt historische Plakatkunst

Das Moskauer Puschkin-Museum widmet dem kubanischen Plakat der 1950er- bis 1970er-Jahre erstmals in Russland eine eigene Ausstellung. Unter dem Titel „Kubanisches Plakat. 1950–1970er. Kino und Revolution“ sind mehr als 140 Plakate und Filmankündigungen aus den Beständen des Museums zu sehen.

Die Ausstellung wurde bewusst in zeitlicher Nähe zum 26. Juli eröffnet. An diesem Tag erinnert Kuba an den Angriff auf die Moncada-Kaserne im Jahr 1953, der als Beginn der von Fidel Castro angeführten Revolution gilt. Doch die Schau, die bis zum 22. November läuft, will die Exponate nicht allein als politische Propaganda verstanden wissen. Im Mittelpunkt steht das kubanische Plakat als eigenständiges Phänomen der Designgeschichte.

Nach der Revolution von 1959 musste die neue Staatsführung ihre Botschaften einer Bevölkerung vermitteln, deren Bildungsniveau noch niedrig war. Nach Angaben des Museums erreichten damals lediglich sechs Prozent der Kinder die sechste Schulklasse. Das Plakat wurde deshalb zum leicht verständlichen Massenmedium – ähnlich den sogenannten ROSTA-Fenstern in den ersten Jahren nach der russischen Revolution.

Auch die Motive weisen Parallelen zur sowjetischen Plakatkunst der 1920er-Jahre auf. Aufgerufen wurde zur Alphabetisierung, zur Steigerung der Milchproduktion oder zum sparsamen Umgang mit Ressourcen. Selbst das Energiesparen und der Verbrauch von Benzin wurden zum Gegenstand der grafischen Agitation – Themen, denen die gegenwärtige wirtschaftliche Lage Kubas zusätzliche Aktualität verleiht.

Künstlerisch blieben die kubanischen Grafiker jedoch erstaunlich offen. Trotz der ideologischen Abgrenzung vom Kapitalismus griffen sie Strömungen der westlichen Moderne auf. Pop-Art und Op-Art beeinflussten ihre Arbeit ebenso wie Kubismus und Futurismus die sowjetische Avantgarde. Manche Darstellungen Che Guevaras erinnern an die farbintensiven Siebdrucke Andy Warhols und nahmen damit vorweg, was der westliche Kunst- und Konsummarkt später aus dem Revolutionär machen sollte: eine weltweit erkennbare Pop-Ikone.

Als einer der bedeutendsten Vertreter dieser Schule gilt Félix Beltrán. Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehört ein Plakat mit dem Wort „Clik“ auf blauem Grund. Das lautmalerische Wort imitiert das Geräusch eines Lichtschalters und fordert mit äußerster grafischer Sparsamkeit zum Energiesparen auf. Die Arbeit wurde international mehrfach ausgezeichnet. Beltrán hatte in den USA studiert und verband kubanische politische Themen mit den damals neuesten internationalen Gestaltungstechniken.

Einen Schwerpunkt der Moskauer Ausstellung bilden Filmplakate aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Nach der Revolution verdrängte Kuba die zuvor dominierenden Hollywoodproduktionen und zeigte verstärkt Filme aus sozialistischen und anderen befreundeten Staaten. So entstanden kubanische Plakate zu Georgi Danelijas sowjetischem Film „Serjoscha“, aber auch zu westlichen Werken wie Jacques Demys „Die Regenschirme von Cherbourg“.

Die Grafiker illustrierten die Filme häufig nicht unmittelbar, sondern entwickelten aus ihnen freie visuelle Interpretationen. In manchen Fällen, urteilt der „Kommersant“ augenzwinkernd, hätten die Plakate den Test der Zeit sogar besser bestanden als die Filme, für die sie einst warben.

Die internationale Bedeutung dieser Arbeiten ist inzwischen offiziell anerkannt. 2023 nahm die UNESCO eine Sammlung kubanischer Filmplakate in ihr Register des Weltdokumentenerbes „Memory of the World“ auf. Die Moskauer Ausstellung zeigt, weshalb: Was als Instrument politischer Kommunikation entstand, entwickelte sich zu einer unverwechselbaren Bildsprache – revolutionär im Inhalt, aber erstaunlich weltläufig in der Form.

COMMENTS