Krim blickt nach außen – Kritik und Demonstration wegen OSZE-Mission [mit Video]

Meldungen über Euromaidan-Todesschützen und angeblich nicht-russische Straßensperren in örtlichen Schlagzeilen - Neutralität der OSZE-Beobachter angezweifelt

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Angesichts der Tatsache, dass die aktuelle Lage auf der Krim eine angespannte Ruhe ist, blicken die örtlichen Onlinezeitungen heute mehr nach außen, um Lösungsansätze und Gründe für die Krim-Krise zu erspähen. Auf der Halbinsel werden die OSZE-Beobachter vor Ort kritisch begleitet, die seit gestern dort unterwegs sind.

  • Hinweis: Dieser Artikel beruht ausschließlich auf Recherchen in zahlreichen Onlinezeitungen auf der Krim selbst, die dort bereits vor Beginn der aktuellen Ereignisse aktiv waren, um ein möglichst genaues Bild der Stimmung vor Ort zu geben, umabhängig von westlicher oder russischer Propaganda

Mehrere Hauptschlagzeilen auf der Krim beschäftigen sich mit dem Telefonat des estnischen Außenministeriums mit der EU-Sonderbeauftragten Catherine Ashton aus dem hervor geht, dass hinter den Todesschüssen auf dem Majdan nicht die Berkut, sondern ein einzelner, vermutlich von den neuen Herrschern bezahlter Schütze steckt (russland.RU berichtete). Eher mit Belustigung wird allerorten  Putins Statement auf einer Pressekonferenz kommentiert, die zentralen Straßensperren auf der Krim würden nicht von russischen Soldaten vorgenommen. Selbst die Sewastopoler Onlinezeitung sevnews.info, ein glühender Anhänger der Abspaltung der Krim von der Ukraine, fragt sich dazu, wie diese „Selbstverteidigungskräfte“ zu so professioneller Ausrüstung kämen und warum sie ursprünglich mit LKWs mit russischen Autonummern gekommen seien, die man dann abgeschraubt habe. Auch nach der örtlichen Presse sind solche Aussagen Putins schwere taktische Fehler, die seine generelle Glaubwürdigkeit in Frage stellen.

Nicht ganz so gut informiert ist man auf der Krim über die Informationspolitik der westlichen Presse. Diese unterstütze nach regionalen Meldungen nun die Krim bei ihrem Wunsch nach Unabhängigkeit. Zirkuliert sind offenbar auf der Krim einzelne Artikel des Spiegel und der Frankfurter Allgemeinen, die sie vorgestern und gestern ausnahmsweise einmal kritisch mit der Rolle der neuen ukrainischen Regierung in diesem Konflikt auseinandersetzten. Die Hoffnung, dass damit die westliche Presse eine objektivere Berichterstattung über diese Konflikt beginnt ist nach der Erfahrung von russland.RU etwas übertrieben. Es ist vielmehr so, dass es auch in den Redaktion von Spiegel, ARD oder FAZ einzelne Mitglieder mit größeren Russlandkenntnissen gibt, die man einige Zeit nach Beginn einer solchen Krise als „Rufer in der Wüste“ engagiert, das Geschehen einmal von der anderen Seite zu beleuchten, um damit dem (bei allen anderen 1.000 Artikeln berechtigten) Vorwurf der Einseitigkeit zu begegnen.

Auf der Krim selbst sind Themen die geplante Eröffnung eines russischen Generalkonsulats in Sewastopol und die Diskussion, ob die Krim zunächst ein eigener Staat oder gleich ein Teil von Russland werden soll. Mit Misstrauen begegnen die Krimbewohner laut der Onlinezeitung ikrim.net der begonnenen OSZE-Mission. In Frage gestellt wird ihre Neutralität und ob sie nicht nur versuchen wird, mit Hilfe der Minderheit der Krim-Tataren, die einer Unabhängigkeit von der Ukraine kritisch gegenüber steht, Unruhe zu provozieren. Nahrung erhalten diese Befürchtungen durch ein Treffen der Mission mit Vertretern der Minderheit und durch Nachrichten von Zusammenrottungen von Krim-Tataren und diesen feindlich gesinnten prorussischen Kosaken. Hier gab es einen Amateurfilm von prorussischen Demonstranten am Aufenthaltsort der OSZE-Beobachter unter dem Motto „wir haben alles unter Kontrolle“, mit einigen Anti-amerikanische Plakaten und „Rossija, Rossija“-Rufen: