Kommt Genosse Lenin bald zu seiner letzten Ruhe?

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Larry Koester CC BY 2.0 via flickr.comFoto: Larry Koester CC BY 2.0 via flickr.com
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Moskau – Die Mehrheit der Russen würde es begrüßen, wenn der Leichnam des Revolutionsführers Wladimir Lenin aus seinem gläsernen Sarg genommen würde, um seine sterblichen Überreste auf einen Friedhof umzubetten. Das ergab eine Umfrage des staatlichen Meinungsforschungszentrums WZIOM.

Am 21. Januar 1924 verstarb mit Wladimir Iljitsch Lenin der führende Kopf der Oktoberrevolution, die aus dem ehemaligen russischen Zarenreich einen sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat formte. Eine Woche später errichtete man auf dem Roten Platz in Moskau ihm zu Ehren ein Mausoleum, in dem die mittlerweile für die Ewigkeit präparierte Leiche aufgebahrt wurde. Bis heute ist der, konstant kostspielig restaurierte, Körper Lenins eine Touristenattraktion.

1.600 Menschen aus 130 russischen Ortschaften beteiligten sich an einer, Ende Januar 2016 durchgeführten, Umfrage, ob der einbalsamierte Leichnam Lenins noch länger öffentlich ausgestellt werden solle. Mit 24 Prozent urteilte rund ein Viertel der Befragten äußerst salomonisch. Sie schlugen vor erst noch die Generation abzuwarten, für die die Personalie Lenin noch von zeitgenössischer Bedeutung sei.

Dann gibt es noch die „Hardliner“, sie stellen mit 32 Prozent rund ein Drittel der Teilnehmer an der Erhebung, die alles beim Alten lassen würde, ginge es nach ihnen. Auffälligerweise gebe es laut Soziologen gerade bei dieser Gruppe so gut wie keine signifikanten Veränderungen zu ähnlichen Untersuchungen über den Zeitraum der letzten zehn Jahre. Man darf also davon ausgehen, dass sich hierbei Alt- sowie Neokommunisten mit Nostalgikern vereinen.

Ginge es nach 60 Prozent der russischen Bürger, hätte der Personenkult um den Revolutionsführer von 1917 schon längst ein Ende gefunden. Mehr als die Hälfte der Befragten würden eine Grablege auf einem Friedhof befürworten. Neutral bis positiv hingegen sahen die Russen der Tatsache entgegen, dass Lenin überhaupt in einem Mausoleum läge. 35 Prozent, so die Wissenschaftler, empfänden nichts Schlimmes dabei, 17 Prozent hielten jedoch daran fest. 40 Prozent der Befragten hielten es schlichtweg für falsch.

Auch dieses Ergebnis habe sich in der Zeitspanne der letzten zehn Jahre so gut wie nicht verändert, wie aus den Untersuchungsergebnissen hervorging.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.