Königsblaue Unterstützung bei der Fußball-EM

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Ab heute soll der Bundesligaprofi Roman Neustädter seinen russischen Pass in den Händen halten dürfen. Davon gehen zumindest der russische Sportminister Vitali Mutko und der amtierende Coach der russischen Fußballnationalmannschaft, Leonid Sluzki, fest aus. Übergeben werde soll das Dokument in der Botschaft in Bonn. „Eigentlich sollte jetzt nichts mehr schiefgehen“, ist sich Mutko sicher.

Bereits kurz vor Weihnachten trafen sich Neustädter und Vertreter des nationalen Fußballverbandes RFS, um über eine mögliche Einbürgerung des Abwehrspielers nachzudenken. Am vergangenen Samstag konnte der Vollzug vermeldet werden, der Schalker wird Russe und ist somit für die Nationalmannschaft spielberechtigt und bereits fest für den Kader des EM-Teams vorgesehen.

„Einen frischen Wind“ soll er in die Mannschaft bringen, so Sluzki, die in der Tat schon etwas angegraut und verstaubt erscheint. Gerade mal mit Ach und Krach konnte die Qualifikation für das Turnier geschafft werden. Nun soll es, gemäß dem Motto „neue Besen kehren gut“, der deutsche Neurusse richten, der „Sbornaja“ wieder neues Leben einzuhauchen. So kam der Zeitpunkt des Abschlusses der Formalitäten nicht gerade von Ungefähr. Am Samstag nämlich gab Leonid Sluzki den Kader für das Turnier offiziell in Moskau bekannt.

Angestaubter Kader wird ausgemistet

Ermöglicht hatte Roman Neustädter den unkomplizierten Wechsel der Staatsbürgerschaft sein Geburtsort Dnjepropetrowsk. Heute in der Ukraine, damals jedoch noch der Sowjetunion zugehörig. Der 28-jährige Abwehrspieler Neustädter, der als Spieler bereits bei Borussia Mönchengladbach und Mainz 05 gespielt hatte, stand zwar bereits zweimal im Aufgebot der DFB-Auswahl, da er allerdings noch kein Pflichtspiel für Deutschland bestritt, ist er dadurch jederzeit für Russland spielberechtigt.

Zudem gilt der Schalker als umsichtig und besonnen. Sowohl im Verein als auch in seinem privaten Umfeld. Dass sich das auf seine Spielweise überträgt, hatte sich auch ziemlich schnell bis zu den Verantwortlichen des russischen Verbandes herumgesprochen. Ein Schaden dürfte Roman Neustädter im russischen Team nicht sein, da Sluzki seinen Stall sowieso gerade ausmistet.

Endlich möchte man da sagen, da die Truppe zuletzt einfach nur träge und behäbig wirkte und ihr Spiel dadurch relativ leicht für jeden Gegner zu durchschauen war. Neben dem Verteidiger Oleg Kusmin und Mittelfeldspieler Denis Tscherischew, die beide noch an Verletzungen laborieren, fielen auch die ehemaligen Routiniers Juri Schirkow und Alexander Kerschakow der Streichliste zum Opfer. Roman Neustädter indes ist mittlerweile bereits bei der russischen Nationalmannschaft eingetroffen und gemeinsam mit dem Team heute in die Schweiz ins Trainingslager geflogen.

Das russische EM-Aufgebot

Tor: Igor Akinfejew (ZSKA Moskau), Guilherme (Lokomotiwe Moskau), Juri Lodygin (Zenit St. Petersburg)

Abwehr: Alexej Beresuzki (ZSKA Moskau), Wasilij Beresuzki (ZSKA Moskau), Sergej Ignaschewitsch (ZSKA Moskau), Dmitri Kombarow (Spartak Moskau), Roman Neustädter (Schalke 04), Igor Smolnikow (Zenit St. Petersburg), Roman Schischkin (Lokomotive Moskau), Georgij Schtschennikow (ZSKA Moskau)

Mittelfeld: Alexander Golowin (ZSKA Moskau), Denis Gluschakow (Spartak Moskau), Igor Denissow (Dynamo Moskau), Dimitri Tobinskij (FK Krasnodar), Oleg Iwanow (Terek Grosny), Pawel Mamajew (FK Krasnodar), Alexander Samedow (Lokomotive Moskau), Oleg Schatow (Zenit St. Petersburg), Roman Schirokow (ZSKA Moskau)

Angriff: Artjom Dschjuba (Zenit St. Petersburg), Alexander Kokorin (Zenit St. Petersburg), Fjodor Smolow (FK Krasnodar).

[mb/russland.RU]

 

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.