Kleine Visafreiheit: Weißrussland wird weltoffen

Foto: Wikipedia/Mikkalai Gemeinfrei
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Alexander Lukaschenko macht die Tür auf: Ab dem 11. Februar dürfen Ausländer aus 80 Staaten – darunter alle EU-Länder und die Schweiz – visafrei bis zu fünf Tage Weißrussland besuchen. Transitreisen nach Russland bleiben davon aber ausgeschlossen.

Ein Anfang der Woche veröffentlichter Präsidenten-Ukas macht den Weißrussen Hoffnung, dass in Zukunft mehr ausländische Besucher in ihr Land kommen – das bislang eher ein großer weißer Fleck auf der touristischen Europakarte ist.

Lukaschenko hob mit einem Federstrich die Visapflicht für gleich 80 Nationen auf – darunter alle EU-Staaten, die Schweiz, Liechtenstein, Norwegen, die USA, Kanada und auch Exoten wie Mikronesien und der Malteser Orden (der , wer hätte es gewusst, völkerrechtlich souverän ist). Nicht vergessen wurden auch die (meist russischen) Nicht-Staatsbürger Lettlands und Estlands. Die Neuregelung soll den Tourismus ankurbeln, aber auch Geschäftsreisen vereinfachen, hieß es in der Minsker Präsidentenadministration.

Kein Herz für Transitreisende nach/aus Russland

Allerdings ist die visafreie Einreise in die Republik Belarus mit einigen Auflagen verbunden – weshalb wohl nach wie vor viele (Durch-)Reisende wie bisher ein (Transit-)Visum beantragen müssen: Die Visafreiheit gilt nur für maximal fünf Tage – und auch nur, wenn man über den Flughafen von Minsk einreist. Auto- und Bahnreisende sind also pauschal ausgeschlossen.

Ausgenommen sind auch Reisende, die mit Flügen aus Russland eintreffen. Ebenso darf man anschließend nicht nach Russland weiterreisen. Hintergrund dafür ist, dass es an der Grenze zwischen Russland und Weißrussland – die formell eine Staatenunion eingegangen sind – keine Passkontrollen mehr gibt. Dies führte in der jüngsten Vergangenheit verschiedentlich zu ernsthaften Problemen für Reisende, die trotz eines gültigen russischen Visums an der weißrussisch-russischen Grenze abgewiesen und zu einem Umweg über die Ukraine oder Lettland gezwungen wurden.

Nach Angaben von Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hat Weißrussland seine Aufweichung der Visaschranken mit Russland koordiniert. Es sei durch Absprachen sichergestellt worden, dass es „keine Projektion dieser Visafreiheit auf unsere Grenze“ geben werde.

Etwas Geld und eine Versicherung notwendig

Weitere Bedingungen für die visafreie Einreise sind die Vorlage von Geldmitteln im Gegenwert von 46 weißrussischen Rubel (ca. 22 Euro) pro Aufenthaltstag und eine im Land gültige Auslandskrankenversicherung mit mindestens 10.000 Euro Deckungssumme.

Für neun der 80 Länder auf der Liste erließ Lukaschenko die zusätzliche Auflage, dass sie Rück- oder Weiterflugticket und ein gültiges Schengen-Visum im Pass haben müssen. Dazu gehören u.a. China, Indien, Vietnam und der Libanon.

Nach Weißrussland, weil …

Aber warum sollte man nun nach Weißrussland fahren – wenn es nicht geschäftlich ist? Das Land verfügt weder über Berge noch Küsten – und nicht einmal richtig große Seen. Aber wer schon so gut wie überall war, für den ist ein Städtetrip in die unbekannte Zwei-Millionen-Stadt Minsk sicher auch eine interessante Erfahrung – und teuer ist Weißrussland dabei auch nicht.

Und auf dem Land kann man Osteuropa pur genießen – und dies in durchaus zivilisierten und kultivierten Verhältnissen. Besonders interessant ist der 1200 Quadratkilometer große Nationalpark Belaweschskaja puschtscha an der polnischen Grenze, einem der letzten großen Urwälder Europas: Dort leben wilde Wisente.

[ld/russland.RU]

Über den Autor

Lothar Deeg
Lothar Deeg geboren 1965 und gebürtig aus Bad Mergentheim. 1991 infizierte ich mich als frisch gebackener Diplom-Journalist auf einer Reise nach Wladiwostok mit dem Russland-Virus. Rudimentär mit VHS-Russischkenntnissen ausgestattet hängte ich 1994 meinen Redakteursposten beim „fliegermagazin“ an den Nagel und siedelte von München nach St. Petersburg um. Dort schreibe ich seitdem als freier Journalist über alles, was mir aus Stadt und Land berichtenswert erscheint – unter anderem als Korrespondent des epd und des Logistik-Fachblatts „Verkehrsrundschau“. Momentan arbeite ich an meinem dritten und vierten Reiseführer über St. Petersburg. Meine Lieblingsjobs sind aber Städte- und Personenporträts für das Bordmagazin der Airline Swiss.