Kiew militärisch in der Defensive

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[Von Florian Rötzer] – Die Separatisten, Kiew und Moskau im Blame Game.

Wird der Raketenangriff auf Mariupol ein weiteres Ereignis, das den Konflikt eskalieren lässt? Zwar sind die Scharfschützenmorde auf dem Maidan und der Abschuss der MH17 noch nicht aufgeklärt, ebenso wenig wie der Brandanschlag in Odessa, aber es wird kräftig mit den Toten von Mariupol Politik gemacht – nicht gegen die Separatisten, sondern gegen Russland, das aus Sicht der Ukraine, der Nato, der USA und zumindest von Teilen der EU die Hauptverantwortung für den Krieg in der Ostukraine haben soll. Schon droht US-Präsident Obama mit weiteren Sanktionen, der Nato-Generalsekretär Stoltenberg weist auf eine „groß angelegte Offensive“ der „von Russland unterstützten Separatisten“ und ganz allgemein auf die wachsende Präsenz russischer Soldaten und Waffen hin.

Tatsächlich haben die Separatisten nicht nur in Mariupol, sondern etwa auch in Debaltseve und anderen Orten eine Offensive gestartet und wohl auch erfolgreich. Das wurde auch von der Führung der „Volksrepublik“ Donezk erklärt, die aber weiterhin die Schuld an dem Raketenangriff auf Mariupol zurückweist und behauptet, man habe danach Artilleriestellungen der ukrainischen Streitkräfte ausschalten wollen. Das wurde auch bestätigt. Stellungen der rechtslastigen, mit dem Rechten Sektor verbundenen Asow-Miliz, die vor allem für den Schutz von Mariupol sorgen soll, sind beschossen worden.

Aus dem Kreml hört man nichts zu dem Raketenbeschuss. Am Freitag hatte noch der Sicherheitsrat getagt. Der russische Präsident Putin beschuldigte Kiew, trotz getroffener Vereinbarungen über die Umsetzung des Minsker Abkommen und den Rückzug der schweren Waffen eine Offensive begonnen zu haben, wobei auch Wohngebiete beschossen und Zivilisten an einer Bushaltestelle in Donezk getötet worden seien. Er sprach von einer umstrittenen Region, womit er wohl die Tasche in das Separatistengebiet beim Flughafen von Donezk meinte.

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