Kein Geld vom Staat für Formel-1

Foto: Wikipedia/Morio CC BY-SA 3.0
image_pdfimage_print

Im russischen Haushaltsplan sind künftig die Extraausgaben für den Weltmeisterschaftslauf der Formel-1 in Sotschi gestrichen. Das Fortbestehen des „Russland-Grand Prix“ liegt nun in den Händen einer privaten Investoren-Gruppe.

Es war nur eines von vielen ehrgeizigen Projekten des Wladimir Putin, die Formel-1 nach Russland zu bringen. Kaum waren die Olympischen Winterspiele 2014 im südrussischen Sotschi zu Ende gegangen, begannen fieberhaft die Arbeiten an einem Formel-1 tauglichen Kurs auf dem selben Areal. Noch im gleichen Jahr durfte sich bereits Lewis Hamilton als Gewinner auf dem Siegertreppchen mit Champagner vollspritzen lassen. Unter den Fahrern ist man sich inzwischen einig, sie beschreiben aus ihrer Sicht die WM-Strecke als anspruchsvoll und gelungen. Kniffelige enge Kurvenfolgen gepaart mit Geraden, auf denen sie ihre Boliden bei Spitzengeschwindigkeiten ausfahren können – das ist es, was die Zuschauer lieben.

Jedoch, die Weiterführung des vom Publikum begeistert auf- und angenommenen und bis ins Jahr 2020 per Vertrag an die Formel-1 gebundenen WM-Laufs, steht nun auf tönernen Füßen. Moskau hat die Gelder der staatliche Unterstützung für das Prestigeobjekt kürzlich gestrichen. Nun müssen private Mittel aufgebracht werden, um die jährlich anfallende Ausrichtungsgebühr zu gewährleisten. Laut Russlands Vize-Präsident Dmitri Kozak hätten sich aber bereits interessierte Sponsoren für die Kostenübernahme gefunden. Darunter sollen sich unter anderem der Mineralölriese „Lukoil“, das Finanzinstitut „VTB“ und der Aluminium-Riese „Rusal“ befinden. Insgesamt seien es etwa zehn private Geldgeber, bestätigte Kozak gegenüber der russischen Nachrichtenagentur „Rambler“.

Besagter Vertrag über den Zeitraum bis 2020 wurde seinerzeit noch vom damaligen Formel-1-Imressario Bernie Ecclestone mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ausgehandelt. „Russland ist ein wichtiges Land und wir werden so lange hier fahren, wie es Herr Putin will. Vergesst Verträge, solange er einen WM-Lauf will, wird der Russland-GP bleiben“, sprach Ecclestone marktschreierisch sein Machtwort noch im vergangenen Jahr unter Berufung auf die Freundschaft mit dem Präsidenten. Nun jedoch müssen die neuen F1-Großaktionäre von „Liberty Media“ überzeugt werden.

Aber es sind nicht nur die Finanziers des Rennens, die nun dafür verantwortlich sind, den Grand-Prix-Lauf in Sotschi auch über das Jahr 2020 hinaus sichern wollen. So wird unter anderem bereits seit längerem über ein Nachtrennen diskutiert, um den Event noch attraktiver zu gestalten. Auch Alexander Saurin, der Vize-Gouverneur der Region Krasnodar, zu dessen Verwaltungsbezirk Sotschi gehört, will seinen Teil dazu beitragen. „Unser nächster Schritt wird die Verlängerung des Formel-1-Vertrags sein!“ verkündete Saurin mit dem Brustton der Überzeugung schon im Rennjahr 2015. So wie es aussieht, dürfte demnach einer Zukunft mit einem „Großen Preis von Russland“ nichts mehr im Wege stehen.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.