Kein Alkohol für Betrunkene

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Das russische Gesundheitsministerium fordert ein gesetzliches Abgabeverbot von Alkohol an Betrunkene. Obwohl der Alkoholkonsum in Russland ohnehin bereits gesunken ist, sollen zusätzliche Barrieren die Russen zu einem gesünderen Lebenswandel anhalten.

Die russische Regierung sorgt sich um das Wohlergehen seiner Bürger. Nachdem schon Zigaretten und andere Tabakprodukte aus dem öffentlichen Bereich verbannt wurden, soll es nun der Volksdroge Nummer Eins, dem Alkohol, an den Kragen gehen. Das Gesundheitsministerium fordert deshalb ein striktes Abgabeverbot an offensichtlich angetrunkene Personen. Außerdem soll die Werbung für alkoholische Produkte stark eingeschränkt werden.

Jährlich wolle sich der Staat diese Maßnahme 40 Millionen Rubel, das entspricht rund 600.000 Euro, kosten lassen, berichtet der Kommersant in seiner heutigen Ausgabe. Mit dem Geld sollen private Organisationen unterstützt werden, die an Projekten zur Förderung eines gesunden Lebensstils arbeiten. Dadurch hoffen die Behörden den Alkoholkonsum bis zum Jahr 2025 von derzeit zehn Litern auf acht Liter pro Kopf zu reduzieren.

Was man nicht sieht, kauft man nicht

Im einzelnen sieht der Entwurf des Gesundheitsministeriums vor, Organisationen und Einzelunternehmen zu verbieten, Alkohol an betrunkene Kunden zu verkaufen. Des weiteren rät die Behörde, die Auslagen für alkoholische Produkte durch Trennwände oder Bildschirme zu verbergen, wie das zum Beispiel bereits bei Tabakprodukten umgesetzt wird. Ebenso sollen keine Schilder, Werbetafeln oder andere Informationsträger auf die Stellen, an denen Alkohol gelagert wird, hinweisen dürfen. Fachgeschäfte für den Einzelhandelsverkauf von Alkohol sollen hiervon jedoch ausgenommen werden.

An Orten, an denen die Käufer von alkoholischen Getränken nicht direkt überprüft werden könnten, schlägt die Behörde vor, separate Verkaufsstellen oder Räumlichkeiten einzurichten, die nur über einen eigenen Eingang zu erreichen sind oder mittels Absperrungen von den übrigen Geschäftsräumen abgetrennt werden. Das vom Gesundheitsministerium erarbeitete Dokument soll als Änderung in das Gesetz zur „Staatlichen Regulierung der Produktion und des Umsatzes von Ethylalkohol, alkoholischen und alkoholhaltigen Produkten und über die Begrenzung des Alkoholkonsums“ eingehen.

Jewgenij Brjun, der leitende freiberufliche Narkologe des Gesundheitsministeriums der Russischen Föderation, sieht in den neuen Änderungen in erster Linie den „pädagogischen Charakter“, wie er sagt. „Es ist zwar formuliert, dass der Verkäufer nicht verkaufen darf, aber trotzdem verkaufen kann. Also passiert derselbe Prozess, der sich manchmal über mehrere Generationen erstreckt. Das heißt, die Leute bereiten sich darauf vor, dass es besser ist, im betrunkenen Zustand nicht durch die Stadt zu stolpern und vor allem nicht noch zusätzlich Wodka zu kaufen“, wird Brjun vom Kommersant zitiert.

Brjun erklärte, dass das Thema bereits mehrfach in der Narkologischen Gesellschaft angesprochen worden sei. Voriges Jahr habe man sogar Unterschriften von Bürgern gesammelt, um den Verkauf von Alkohol in Geschäften, die in Wohngebäuden integriert sind, zu verbieten. „Das sind einzelne Schritte“, sagt er. „Zuerst kommt die Trennung der Waren, dann werden wir ein Verbots des Verkaufs in Wohnhäusern erreichen und so weiter. Zuerst wird die öffentliche Meinung vorbereitet, dann haben sich die Abgeordneten überzeugt und dann werden Entscheidungen getroffen. Das ist ein langer Prozess, die Menschen müssen dazu erzogen werden.“

[mb/russland.NEWS]