Jesus in der Ukraine als Separatist angeprangert

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Baraniwka – Der Hass auf Russland treibt in der Ukraine mitunter auch originelle Blüten. Das bekam jetzt auch der Herr Jesus Christus am eigenen Leib, pardon Bild, zu spüren. Die Beschuldigungen reichen von Separatist bis Russland-Versteher. Ach du lieber Gott ist man geneigt zu sagen, denn mit einem vermeintlich so missratenen Sohn ist selbst der gutmütigste Vater gestraft.

Zugetragen soll sich dieser Vorfall nach Angaben der Medien in der nordukrainischen Stadt Baraniwka haben. Außer dass die Stadt mit ihren 12.500 Einwohnern 1566 gegründet wurde und seit 1802 eine bis heute funktionale Porzellanmanufaktur beheimatet, ist dort eigentlich so gut wie gar nichts los. Vielleicht wäre noch ein Asteroid erwähnenswert, der 2010 nach Baraniwka benannt wurde. Ansonsten ist hier, wie der Volksmund sagt, der Hund verreckt.

Möglicherweise war das der Grund, warum nun Aktivisten ein Wandbild von Jesus Christus zerstörten – pure Langeweile. „Jede Äußerung oder auch nur Hauch von Separatismus oder „Russkij Mir“ („Russische Welt“) wird ungeachtet der Ränge oder Parteizugehörigkeit aus der Welt geschafft“, weiß die Aktion Oleg Kowalskij. ein Abgeordneter des Stadtrats, zu begründen. Er deckt die Laune der Aktivisten, das Christusbild mit einem dazugehörigen Spruch aus dem Evangelium zu zerstören.

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Das war dann wohl den Hartgesottensten zu viel des Guten und haben den Sohn Gottes kurzerhand den prorussischen Separatisten untergejubelt. Selber schuld, wenn der feine Herr Jesus jetzt schon selber in seiner heiligen Schrift zugibt, sich quasi geoutet hat, Russland-Versteher zu sein. Gnadenhalber sozusagen, hat man den Künstlern, die für das Bildnis an dem Gebäude verantwortlich waren, vorgeschlagen ihr Werk doch einfach selbst wieder zu übertünchen. Tja, jetzt wollten die aber nicht.

Irdischer Rechtsradikalismus statt himmlischer Frieden

Und weil sie in Baraniwka eher gleich zur Tat schreiten, anstatt viele Worte zu verlieren, erfüllt ihn das fast mit Stolz, den Herrn Stadtratsabgeordneten: „Dann haben wir es einfach selber gemacht“, konnte es sich Kowalskij nicht verkneifen. Zudem hat man auch schon hübsche Pläne, was mit der nun nackten Fassade im Zuge der Stadtverschönerung noch so geschehen soll. Ukrainische Nationalflaggen statt Jesusbildchen, so bekommt das Ganze doch gleich viel mehr Schmiss. Man ist ja schließlich auch mit seiner Ukraine verbunden.

Auch eine rot-schwarze Fahne soll sich hier künftig befinden. Und spätestens jetzt dürfte der Russland-Versteher Jesus auf seiner Wolke im Dreieck hüpfen. Stehen diese Farben in der Ukraine schließlich für die Ukrainische Aufständische Armee, kurz UPA und die Ukrainische Nationalisten-Organisation OUN. „Mit Hass und rücksichtslosem Kampf wirst du die Feinde deiner Nation empfangen.“, so steht es im Manifest der rechtsradikalen Nationalisten, denen auch rassistische Tendenzen zur Last gelegt werden.

Schon einmal sollte versucht werden, Einheit und Unabhängigkeit in der insgesamt doch sehr jungen Ukraine durch Bündnisse mit ausnahmslos jedem Gegner Großrusslands herzustellen. Beide Nationalistengruppen, OUN und UPA, kooperierten während des Zweiten Weltkrieg in der Westukraine auf der Seite der Wehrmacht gegen die Sowjetarmee und andere Staaten der Anti-Hitler-Koalition. Nachweislich geht das Massaker von 1943 an der polnischen Zivilbevölkerung in Wolhynien auf deren Kappe.

Und sowie sich die Geschichte wiederholt, „neuer Krieg, neue Ehren“, stufte die RADA, das ukrainische Parlament, per Gesetz die ehemaligen Mitglieder der beiden Organisationen posthum als Unabhängigkeitskämpfer ein. Diese Heroisierung von Nazi-Kollaborateuren gipfelte, als ihnen am 9. April 2015 umfangreiche soziale Privilegien zugesprochen wurden.

Am deutlichsten zwitscherte es wohl eine Twitter-Userin auf den Punkt: „Wäre das alles nicht so traurig, man müsste lauthals lachen. Demnächst schießen sie wahrscheinlich mit ihrer Luftabwehr auf Gott.“

[mb/russland.RU]

 

 

 

 

 

 

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.