Istanbul: Geplante Geiselnahme?

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Ist der Drahtzieher der Attentate ein Tschetschene mit österreichischem Asylstatus? Offiziell unbestätigten Medienberichtenn zufolge soll Ahmet Tschataew, der seit 2003 wegen „Terrorismus“ von Russland zur Fahndung ausgeschrieben ist, der führende Kopf der Selbstmordanschläge auf dem Atatürk-Airport in Istanbul sein.

Tschataew, der als aktiver Kämper im Tschetschenienkrieg seinen rechten Arm verlor, schloss sich seinen „Glaubensbrüdern“ der Al-Kaida im Nordkaukasus an. Bei seinem Asylgesuch in Österreich gab der „Einarmige“, wie Tschataew von seinen Gefolgsleuten genannt wird, an, sein Arm sei in russischer Gefangenschaft abgeschlagen worden. Sein Asylstatus verhinderte bislang eine Abschiebung nach Russland, obwohl er bereits mit Waffen und belastendem Material in Schweden und der Ukraine festgesetzt wurde.

Seit 2015 wirke er in Syrien bei der Terrororganisation „Islamischer Staat“, vermelden türkische Medien mit Verweis auf polizeiliche Quellen. Laut dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen befehlige Ahmet Tschataew 130 Kämpfer, überwiegend wohl nordkaukasische Immigranten. Beim IS sei er beauftragt, „Gotteskrieger“ für den Einsatz in Europa und Russland vorzubereiten.

Nun sei bekannt geworden, dass die drei Selbstmordattentäter ursprünglich eine Geiselnahme planten, so die türkische Zeitung „Sabah“. Aus Österreich wurde inzwischen bestätigt, dass das Innenministerium in Kontakt mit den türkischen Behörden stehe. Die Beteiligung Tschatajews sei nicht auszuschließen, auch wenn es bislang noch keine gesicherten Erkenntnisse gäbe, hieß es aus Wien.

Auch das bulgarische Staatsfernsehen will unterdessen einen weiteren Tschetschenen unter den Attentätern ausgemacht haben. Es handele sich dabei um Achmed Radschapowitsch, der 2011 in bulgarischer Haft gesessen sei, nachdem er auf Drängen Russlands an der bulgarisch-türkischen Grenze verhaftet wurde, aufgrund seines österreichischen Asylrechts jedoch nicht ausgeliefert wurde. Von 260 Personen, die der österreichische Verfassungsschutz als islamistisch-terrorverdächtig in den Unterlagen führt, seien die Hälfte dem tschetschenischen Spektrum zuzuordnen, vermutet man.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.