Informanten spekulieren über Litwinenko-Tod – Spanischer Staatsanwalt sieht Russland als „Mafiastaat“

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Die USA sehen bei der Zusammenarbeit mit Russland in Verteidigungsfragen offenbar keine wesentlichen Fortschritte seit dem Kalten Krieg. Das geht aus einem US-Dokument hervor, welches das Enthüllungportal Wikileaks veröffentlichte.

In der Depesche, die vergangenes Jahr von der US-Botschaft in Moskau verfasst wurde, wird die Kooperation bei Angelegenheiten der Verteidigung zwischen den beiden Ländern zwar als nützlich beschrieben, diese würde aber durch „einen Mangel an russischer Transparenz und Wechselseitigkeit“ behindert.

Dem Dokument zufolge sehen US-Diplomaten vor allem den Informationsaustausch mit Russland in der Verteidigungspolitik kritisch. So würde Russland den USA häufig den Einblick in Papiere von Lagebesprechungen verweigern und selten Besuche von Standorten außerhalb des Verteidigungsministeriums oder zu akademischen Institutionen mit einem Schwerpunkt auf Verteidigungsfragen gewähren.

Aus einem anderen US-Dokument geht laut der britischen Zeitung „Guardian“ hervor, dass es sich nach Ansicht des spanischen Staatsanwaltes José Gonzalez bei Russland „quasi“ um einen „Mafiastaat“ handle, dessen Politiker „Hand in Hand“ mit der organisierten Kriminalität kooperierten. Dem Dokument zufolge greifen russische Behörden auf die Mafia zurück, um bestimmte Handlungen vornehmen zu können, die Russland „korrekterweise nicht als Regierung“ vornehmen könne.

Litwinenko der mysteriöse Tote

Einer weiteren Depesche zufolge, aus welcher der „Guardian“ zitierte, wusste Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin zudem von den Mordplänen an dem russischen Ex-Spion Alexander Litwinenko, der 2006 in London an einer Vergiftung starb.

Auch die „Welt“ bläst in das gleiche Horn mit der Überschrift „Putin soll von Mord an Litwinenko gewusst haben“.

Interessant, welche Informanten die US-Botschaft im Fall Litwinenko und Politkowskaja nutzte.

1.) Aleksei Wenediktow, der Herausgeber des unabhängigen Radiosenders Echo Moskau.

2.) Jewgeni Volk von der Moskau Heritage Foundation.

3.) Stanislaw Belkowski vom Nationalen Strategischen Institut.

4.) Michail Deljagin vom Institut für Globalisierungsprobleme.

5.) Masha Lipman vom Moskauer Carnegie-Zentrums.

Wer aber die Depesche genauer liest, kann nicht zu diesem Schluss kommen. Wie selbst der amerikanische Botschafter am Ende der Depesche schreibt, „Alle der oben genannten mutmaßlichen Versionen der Ereignisse werden durch einen Mangel an Beweisen und durch die Existenz von anderen Motiven für die Morde und andere potenzielle Täter in ihrem Wahrheitsgehalt eingeschränkt.“

In den Depeschen stehen Einschätzungen und die entstehen durch die Auswahl der Quellen. Wer sich also parteiische Quellen besorgt, bekommt auch parteiische Einschätzungen.