In Transbaikalien leben mehr als viermal so viele Wölfe wie in Deutschland

In Transbaikalien leben mehr als viermal so viele Wölfe wie in Deutschland

Die Wolfsdebatte bewegt in Deutschland seit Jahren Landwirte, Naturschützer, Jäger und Politik. Ein Blick nach Russland zeigt allerdings, in welchen Dimensionen das Thema andernorts verhandelt wird: In der ostsibirischen Region Transbaikalien ist die Zahl der Wölfe nach offiziellen Angaben auf rund 7.500 Tiere gestiegen – viermal mehr als nach regionalen Normen als zulässig gilt.

Nach Angaben der Kontroll- und Rechnungskammer der Region, auf die sich die russische Zeitung Kommersant beruft, wuchs der Wolfsbestand in Transbaikalien zwischen 2021 und 2025 von 5.500 auf 7.500 Tiere. 2024 lag der Wert sogar bei 7.700. Damit überschreitet die Population den zulässigen Bestand um etwa 5.600 Tiere.

Zum Vergleich: In Deutschland wurden im Monitoring-Jahr 2024/2025 bundesweit 219 Wolfsrudel, 43 Wolfspaare und 14 territoriale Einzeltiere bestätigt. Die Mindestzahl der nachgewiesenen Wolfsindividuen lag nach Angaben der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf bei 1.636 Tieren; andere offizielle Übersichten nennen auf Basis einer Schätzannahme 1.633 Wölfe.

Interessant wird der Vergleich vor allem über die Fläche. Deutschland hat eine Bodenfläche von rund 357.600 Quadratkilometern. Transbaikalien umfasst rund 431.900 Quadratkilometer und ist damit nur gut 20 Prozent größer als Deutschland. Dennoch leben dort nach den aktuellen Angaben etwa 7.500 Wölfe – also mehr als viereinhalbmal so viele wie in Deutschland.

Auch die rechnerische Wolfsdichte fällt deutlich höher aus. In Deutschland leben grob 4,6 Wölfe pro 1.000 Quadratkilometer. In Transbaikalien sind es etwa 17,4 Wölfe pro 1.000 Quadratkilometer. Auf deutsche Fläche übertragen entspräche die transbaikalische Wolfsdichte rechnerisch mehr als 6.200 Wölfen.

Die Behörden in Transbaikalien sehen den hohen Bestand als Problem. Als Gründe für das weitere Wachstum nennen die regionalen Prüfer nicht nur ein natürliches Ungleichgewicht, sondern auch die Entvölkerung ländlicher Räume, den Niedergang traditioneller Viehhaltung und das Fehlen einer systematischen staatlichen Politik. Zwar sei der Abschuss in den vergangenen fünf Jahren um das Anderthalbfache gestiegen, doch die Population wachse weiter.

Für erlegte Wölfe zahlen die Behörden in Transbaikalien derzeit je nach Alter und Geschlecht des Tieres zwischen 5.000 und 15.000 Rubel. Die Regionalregierung prüft nun eine einheitliche Prämie von 15.000 Rubel. Aus Sicht der Jäger reicht das kaum aus: Nach Angaben der Prüfer kostet die Erlegung eines Wolfes zwischen 53.000 und 60.000 Rubel. In anderen russischen Regionen, etwa Kamtschatka oder Jakutien, können die Prämien bis zu 30.000 Rubel erreichen.

Der Vergleich mit Deutschland ist natürlich nur begrenzt direkt übertragbar. Transbaikalien ist dünn besiedelt, landschaftlich völlig anders strukturiert und hat eine andere Geschichte der Weidewirtschaft. Dennoch zeigt er, wie unterschiedlich die Maßstäbe sind: Während in Deutschland bereits gut 1.600 Wölfe zu einer intensiven politischen Debatte führen, spricht Transbaikalien bei 7.500 Tieren von einer massiven Überschreitung der zulässigen Norm. Die Konfliktlinie ist dabei ähnlich: Es geht um Herdenschutz, ländliche Räume, staatliche Regulierung und die Frage, wie viel Wolf eine Kulturlandschaft verträgt.

COMMENTS