Hinfallende Schweine in Supermarkt [Videos aus YouTube]

Protest gegen verschwiegene schädliche Inhaltsstoffe - Chruschi-Sprecherin Smortschkowa kandidiert für Gesellschaftskammer

Wer schon länger russland.RU liest, kennt Chruschi Protiw – die russischen Aktivisten im Schweinekostüm gegen abgelaufene und gesundheitsschädliche Lebensmittel in dortigen Supermarktregalen, einer russischen Unsitte. Für gewöhnlich werden ihre Videos dann zu YouTube-Hits, wenn sich Ladenbesitzer oder Verkäuferinnen mit den Aktiven im Schweinekostüm prügeln.

Protest gegen verschwiegene Inhaltsstoffe auf Lebensmitteln

Eine etwas andere Aktion haben die „Chruschis“ nun in mehreren Supermärkten Moskaus und Sankt Petersburgs gemacht. Zeitgleich ließen sie sich dort überall auf den Boden fallen, dieses mal zum Protest gegen in Russland immer wieder vorkommende falsch gekennzeichnete Lebensmittel und Inhaltsstoffe, bei denen gesundheitsschädliche Zutaten verschwiegen werden:

Chruschi Protiw Sprecherin Smortschkowa auf politischem Karrierekurs

Die kleine, hübsche Frau in der Mitte der Schweinekostümierten (aber ohne Schweinekostüm) ist übrigens Jewgenia Smortschkowa (30), quasi die Cheffin und das Gesicht der Organisation, die immer wieder als empörte Kundin in den Videos auftritt und auch schon einiges auf die Mütze bekommen hat, obwohl sie mit ihren schätzungsweise 1,60 Metern eher den Beschützerinstinkt wecken sollte. Es ist eine Frau, die man sich merken sollte, denn sie kandidiert gerade für die Gesellschaftskammer beim russischen Präsidenten, in der landesweite Organisationen der Zivilgesellschaft vertreten sind. Natürlich hat ein YouTube-Star dafür einen gut gemachten Werbeclip:

Chruschi Protiw wird über die Jugendorganisation „Naschi“ eine gewisse Regierungsnähe nachgesagt und die zielstrebige junge Frau ist auch schon mehrfach auf Foto- und TV-Aufnahmen mit Putin gesehen worden. Sie dürfte als attraktives Nachwuchs-Gesicht in den kommenden Jahren in Russlands Politik hoch gehandelt werden. Bedenklich ist dabei ihre gegen Kaukasier gerichtete, etwas fremdenfeindliche Neigung, die Smortschkowa wie vielen „Naschis“ zu eigen ist und auch im russischen Netz für ein geteiltes Echo sorgt.  Für ihr eigentlich lobenswertes Haup-Engagement ist sie eigentlich unnötig, da zumindest nach unserer eigenen Erfahrung abgelaufene Ware in urrussisch geleiteten Supermärkten ebenso vorkommt wie in kaukasischen. Selbst in russendeutschen Läden in Deutschland haben wir schon Schlimmes gesehen, auch wenn es dort eher die Ausnahme ist.

Russland funktioniert nicht nach Klischees

Aber das Video zeigt auch: Nicht alle Anhänger Putins schauen so aus und benehmen sich so, wie es dem typischen deutschen Journalisten vorschwebt – auch wenn Smortschkowa im Punkt Linientreue mit Sicherheit ihrem Klischee entspricht. Man könnte über sie als die Frau mit den zwei Gesichtern schreiben, Politengel und -teufel in einem. Wohl auch deshalb sind Chruschi Protiw im deutschen Mainstream-TV im Gegensatz zum russischen YouTube ein No-Go, denn da benötigt man klarere Feindbilder, die weniger sympathisch ausschauen.