Große regionale Unterschiede bei der Wahl in der Ukraine

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Bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine ging der Favorit Pjotr Poroschenko in allen Regionen des Landes als Sieger hervor. Am Wahlabend sagte Poroschenko, dass 85 Prozent der Ukrainer den europäischen Weg gewählt haben.

Nach vorläufigen Angaben erhielt Poroschenko mehr als 54 Prozent der Stimmen und gewann in allen ukrainischen Regionen. Mehr als 50 Prozent der Stimmen bekam er jedoch nur in 15 von 24 Regionen, die sich in der westlichen und zentralen Ukraine befinden. Im Gebiet Lwow erhielt er fast 70 Prozent der Stimmen, in Kiew waren es 64 Prozent. Die wenigsten Stimmen bekam Poroschenko in den Gebieten Charkow und Saporoschje (35 beziehungsweise 38 Prozent). Doch insgesamt bilden die EU-Anhänger in allen Regionen die Mehrheit.

Bei den vorherigen Wahlen unterschied sich die Wählerstimmung strikt nach dem geografischen Prinzip – der prorussische Südosten und der nationalistische Westen und das ebenfalls nationalistische Zentrum. Diesmal gab es keinen Einheitskandidaten vom Osten des Landes. Die Partei der Regionen stellte den Ex-Gouverneur des Gebietes Charkow, Michail Dobkin, als Präsidentschaftskandidat auf. Doch auch drei weitere Parteimitglieder zeigten Präsidentschaftsambitionen – Sergej Tigipko, Juri Boiko und Oleg Zarjow.

Dobkin kam mit drei Prozent auf Rang sechs, Tigipko mit fünf Prozent auf Rang fünf. Zarjow hatte noch während des Wahlkampfes seine Kandidatur zurückgezogen.

Die Wahlbeteiligung lag bei 60,29 Prozent und erreichte damit den niedrigsten Stand seit 15 Jahren. Nach Angaben der Wahlleitung gingen in den Gebieten Donezk und Lugansk nur 15,37 bzw. 38,94 Prozent ins Wahllokal.

In den östlichen und südlichen Gebieten, die nicht von Unruhen erschüttert wurden, sank die Wahlbeteiligung um 14,87 Prozent im Vergleich zu 2010. „Wegen der Unfähigkeit, ruhige Wahlen im Süden und im Osten des Landes zu organisieren, wurde uns die Stichwahl durch die Behörden gestohlen“, sagte Tigipkos Wahlkampfleiterin Swetlana Fabrikant.

Während früher die russischsprachigen Wähler am aktivsten gewesen waren, seien es jetzt vor allem die ukrainischsprachigen Wähler gewesen, was sich positiv auf die Ergebnisse der Kandidaten ausgewirkt habe, die sich für die ukrainische Identität aussprachen, so der ukrainische Politologe Wladimir Fessenko.
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