Glossar – Erklärung von Fachbegriffen

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Aktivität:

Aktivität ist die Zahl der je Sekunde in einer radioaktiven Substanz zerfallenden Atomkerne. Die Maßeinheit ist das Becquerel (Bq). Ein Bq entspricht dem Zerfall eines Atomkerns pro Sekunde.

Dampfblasenkoeffizient:

Die Reaktivität eines Reaktors, ein Maß für das Abweichen der Kettenreaktionsrate vom stabilen Gleichgewichtszustand, ist je nach Anlage von einer Reihe von Betriebsparametern abhängig. Ein negativer Dampfblasenkoeffizent bewirkt, daß bei einem Ansteigen der Kettenreaktionsrate und dem damit verbundenen Temperaturanstieg des Kühlmittels durch den sich vergrößernden Dampfblasenantell automatisch die Kettenreaktionsrate und damit die Leistung begrenzt wird und wieder zurückgeht. Im deutschen Genehmigungsverfahren muß nachgewiesen werden, daß der Damptblasenkoeffizient immer negativ ist. Bei russischen RBMK-Reaktoren ist er positiv; eine Leistung und Temperatursteigerung bewirkt eine immer schneller zunehmende Kettenreaktionsrate, die weitere Leistungs- und Temperaturerhöhungen zur Folge hat. Dieser Effekt war die physikalische Ursache für den Reaktorunfall in Tschernobyl.

Dekontamination:

Beseitigung oder Verringerung einer radioaktiven Verunreinigung von Arbeitsflächen, Geräten, Räumen, Wasser, Luft usw. mittels chemischer oder physikalischer Verfahren, z.B. durch Abwaschen oder Reinigung mit Chemikalien. Die Dekontamination von Luft und Wasser erfolgt durch Filtern bzw. Verdampfen und Ausfällen.

inhärent sicher:

Ein technisches System wird als inhärent sicher bezeichnet, wenn es aus sich selbst heraus, also ohne Hilfsmedien, Hilfsenergie oder aktive Komponenten sicher arbeitet. Beispielsweise kühlt ein Kühlwassersystem inhärent sicher, wenn die Wärmeabfuhr über ausreichend große Wärmetauscher bei Schwerkraftumwälzung des Kühlwassers erfolgt, da die Schwerkraft immer zur Verfügung steht.

Kritikalität:

Der Zustand eines Kernreaktors, in dem eine sich selbst erhaltene Kettenreaktion abläuft.

Megawatt:

Das millionenfache der Leistungseinheit Watt (W), Kurzzeichen: MW 1 MW = 1.000 kW = 1.000.000 W

Millirem:

Frühere Einheit der sog. Äkquivalentdosis , Kurzzeichen: mrem. Mittlerweile abgelöst durch die neue Einheit Sievert (1 Millisievert/mSv = 100 mrem)

Moderator:

Material, mit dem schnelle Neutronen auf niedrige Energien „abgebremst werden“, da bei niedrigen Neutronenenergien die Spaltung im Reaktor mit besserer Ausbeute verläuft. Als Moderatoren werden u.a. leichtes Wasser, schweres Wasser und Graphit verwendet.

Nuklid:

Ein Nuklid ist ein durch eine Protonenzahl, Neutronenzahl und seinen Energiezustand charakterisierte Atomart. Zur Zeit sind über 2.700 verschiedene Nuklide bekannt, die sich auf die 112 derzeit bekannten Elemente verteilen. Davon sind über 2.200 Nuklide radioaktiv.

Radioaktivität:

Eigenschaft bestimmter Stoffe, sich ohne äußere Einwirkung umzuwandeln und dabei eine charakteristische Strahlung auszusenden. 1896 von Becquerel am Uran entdeckt. Wenn die Stoffe in der Natur vorkommen, spricht man von natürlicher Radioaktivität; sind sie z. B. ein Produkt von Kernumwandlung in Reaktoren, so spricht man von künstlicher Radioaktivität. Kennzeichnend für jedes Radionuklid ist seine Halbwertszeit, das ist die Zeit, in der sich in einer vorgegebenen Menge die Hälfte der Atomkerne umwandelt.

Radiologie:

Im weiteren Sinne „Medizinische Strahlenkunde“ bestehend aus theoretischer Radiologie (Strahlenbiologie, medizinische Strahlenphysik) und klinischer Radiologie. Radiologie im engeren Sinn umfaßt die Röntgendiagnostik und Strahlentherapie.

RBMK-1.000:

RBMK ist die russische Abkürzung für Hochleistungs-Druckröhren-Reaktor, während „1.000“ die elektrische Leistung in Megawatt angibt.

Reaktivität:

Maß für das Abweichen eines Reaktors vom kritischen Zustand. Die Reaktivität ist im kritischen Zustand genau 0. Ist sie positiv, steigt die Reaktorleistung an. Bei negativer Reaktivität sinkt der Leistungspegel. Fehlen bei einem raschen Leistungsanstieg ausreichend negative Rückwirkungsmechanismen, kommt es zu einem Anstieg der Kettenreaktion im Millisekundenbereich, der durch aktive Gegenmaßnahmen, wie das Einfahren von Regelstäben, nicht beherrschbar ist.

Regelstäbe:

Eine stab- oder plattenförmige Anordnung zur Regelung der Reaktivitätsschwankungen eines Reaktors. Der Regelstab besteht aus neutronenabsorbierendem Material (Cadmium, Bor usw.).

Strahlenexposition:

Einwirkung ionisierender Strahlen auf den menschlichen Körper. Diese können auf dem Gesamtkörper oder auch nur auf Teile des Körpers einwirken, sie können von Strahlenquellen außerhalb oder innerhalb des Körpers verursacht werden.

Strahlenrisiko:

Zur Bemessung und Beurteilung des Strahlenrisikos sind u.a. folgende Maßeinheiten von Bedeutung:

  • Das Becquerel (Bq) als Maß für die Radioaktivität. Es sagt jedoch nichts über die Dosis aus, die ein Mensch erhält, wenn der radioaktive Stoff und der Expositionsweg nicht bekannt sind.

 

  • Die Energiedosis Gray (Gy). Sie ist die Menge an Energie, die in einer Masse, z.B. menschlichem Gewebe, absorbiert wird. Ein Gy entspricht einer Energieaufnahme von einem Joule pro Kilogramm.

 

  • Verschiedene Strahlenarten haben bei gleicher Energiedosis unterschiedliche biologische Wirkungen. Unter Strahlenschutzgesichtspunkten ist daher nicht nur die Energiedosis allein relevant, sondern sie wird mit einem sog. Bewertungs- oder Qualitätsfaktor (Q) gewichtet. Der Qualitätsfaktor einer ionisierenden Strahlung berücksichtigt den Einfluß der mikroskopischen Verteilung der absorbierten Energie auf den Schaden. Die Maßeinheit hierfür ist das Sievert (Sv), das die früher gültige Bezeichnung Rem (rem) ersetzt hat.

 

  • Der Qualitätsfaktor Q kann für definierte Bedingungen bestimmt werden und ist für verschiedene Strahlungsarten sehr unterschiedlich. Für Beta-, Gamma- und Röntgenstrahlung ist Q = 1, für Alpha-Strahlung ist Q=20, für Neutronenstrahlung ist Q sehr von der Neutronenenergie abhängig.

Quelle:

Auszug aus der Broschüre „TSCHERNOBYL – DER REAKTORUNFALL“

Informationskreis Kernenergie Heussallee 10 53113 Bonn