Für die Russen ist Stalin die herausragendste Persönlichkeit

Foto: commons.wikimedia/Bundesarchiv, Bild 183-R80329, CC BY-SA 3.0 4636-49
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[von Florian Rötzer] Die Russen schätzen nicht Putin als die herausragendste Persönlichkeit ein, sie ziehen nach einer repräsentativen Umfrage des staatlich unabhängigen Levada-Instituts dem seit Ende 1999 mit einer symbolischen vierjährigen Unterbrechung amtierenden Präsidenten Stalin vor. Man sehnt sich in die große Zeit zurück, als Russland noch kommunistische Großmacht war. Dass unter Stalin Millionen von Menschen umkamen, vertrieben und in Straflager verbannt wurden, scheint da nicht so wichtig zu sein.

Bei der Umfrage sollten die russischen Bürger in einer offenen Frage, die 10 für sie herausragendsten Persönlichkeiten nennen. Es gab mithin keine auf nur eine bestimmte Auswahl gesteuerte Frage. Offen muss auch bleiben, was die Befragten als herausragend betrachten. Das muss keineswegs eine positive Person sein, sondern kann eben auch eine sein, die wie Stalin das Geschick des Landes geprägt hat. Ob die Deutschen hier wohl Hitler an die erste Stelle setzen würden, der auch das Land der Dichter und Denker nachhaltig mit rassistischer Massenvernichtung, grausamen Kriegen und extremen Personenkult geprägt hat?

Damit sollen Hitler und Stalin nicht irgendwie relativierend verglichen werden, aber man wundert sich doch, dass Stalin von den Russen so sehr geschätzt wird, während Lenin nach Putin, der sozusagen als Nachfolger oder Surrogat Stalins erscheint, und dem Schriftsteller Puschkin nur auf dem vierten Platz landet. Beide haben allerdings gleiche Prozentzahlen. Interessant ist für die russische Psychologie, dass Lenin 1989 noch weit vorne an erster Stelle mit 72 Prozent war und Stalin mit 12 Prozent deutlich weniger geachtet wurde. Ab 2008, dem Georgien-Krieg und dem offenen Konflikt mit der Nato scheint sich bei den Russen etwas verändert zu haben. Seitdem liegt Stalin vor Lenin.

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