FSB zog nicht wegen Terrorismus gegen Telegram in den Krieg 

FSB zog nicht wegen Terrorismus gegen Telegram in den Krieg 

Der wahre Grund für die Sperrung von Telegram in Russland könnten die Pläne seines Besitzers Pawel Durow sein, die Kryptowährung Gram einzuführen, berichtet RBK mit Bezug auf einen Brief, den ein Mitarbeiter des FSB seinem Kollegen Roman Antipkin schickte. In dem Brief behauptet der Autor, dass es im Fall Telegram nicht um „Verschlüsselung und Terrorismus“ gehe. Der Grund für die Blockade ist Durows Wunsch, ein „neuer Mawrodi“ [Gründer des Schneeballsytems MMM] zu werden.

Nach dem Start dieser Kryptowährung erhalten wir in Russland ein völlig unkontrolliertes Finanzsystem. „Und das ist kein Bitcoin für Randgruppen. Es wird einfach, zuverlässig und unkontrollierbar sein. Dies ist eine Bedrohung für die Sicherheit des Landes“, heißt es in dem Brief.

Die Authentizität des Briefes wurde von einem Regierungsbeamten und Top-Manager eines der Telefonbetreibers bestätigt. Antipkin habe wiederholt das für Informationssicherheit zuständige 12. FSB-Zentrum bei verschiedenen Anlässen vertreten hat. Er selbst lehnte eine Stellungnahme ab. Der FSB reagierte auf die Veröffentlichung noch nicht.

Durows Pläne mit der Kryptowährung Gram wurden Ende 2017 bekannt. Es ist geplant, sie später als Bezahlsystem in die Telegram-App, in soziale Netzwerke und in andere Dienstleistungen einzubauen.       Per Schwarmfinanzierung klingelten jüngst die Kassen bei Telegram. Nach 850 Millionen Dollar im Januar konnte er im März diesen Betrag erneut bei Investoren sichern.

Alles, was derzeit passiert, muss Pawel Durow wie ein Geschenk vorkommen. Telegram erreicht weltweit mehr als 200 Millionen Menschen, von denen etwa 15 Millionen aktive Nutzer in Russland registriert sind. Der eventuelle Verlust des russischen Marktes wird nicht sonderlich schaden. Durow verfügt ab jetzt über den Ruf  „Freiheitverteidiger und Hassobjekt russischer Behörden“. Für sein Projekt eines globalen Zahlungssystems auf Krypto-Basis kann es keine bessere Werbung geben.

Am 16. April begann Roskomnadzor, Telegram zu blockieren. Die Netzwerk-Controller blockten mehr als 20 Millionen IP-Adressen. Neben Telegram kam es bei Amazon, Google, seit gestern Microsoft und vielen anderen Unternehmen zu Störungen, besonders bei zahlreichen Proxy- und VPN-Server und -Diensten.

[hub/russland/NEWS]

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