Eishockey-WM: Das „Deutsche Wunder“ blieb aus

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Für die Einen war es lediglich eine weitere Station auf dem Weg zum vermeintlichen Titel, für die Anderen so etwas wie eine Begegnung der Dritten Art. Deutschland gegen Russland als Viertelfinalpartie, da schlug der Bundesadler Purzelbäume.

Akribisch wurden in den wenigen Tagen vor dem Spiel Taktiken gewälzt, Chancen in Erwähnung gezogen. Sowohl bei den Profis als auch unter Laien. Nach dem „Sommermärchen“ nun also auch noch ein „Eiswunder“? Bei allem Respekt der Deutschen Mannschaft gegenüber, die Chancen bewegten sich auf eher dünnem Eis. Ausgerechnet dieser russischen Macht auf dem Eis, zumal noch bei ihrem Turnier im eigenen Land, ein Bein zu stellen.

Korbinian Holzer versuchte es auf den Punkt zu bringen: „Das ist doch geil, solche Spiele sind das Größte für einen Sportler. Uns erwartet ein Hexenkessel!“ Engagiert gingen sie dann auch zu Werke, das muss man den DEB-Cracks anerkennend zugestehen. 12.000 Zuschauer im Moskauer Eispalast und Millionen an den Fernsehgeräten sahen zunächst tatsächlich so etwas wie ein kleines Wunder auf dem Eis – die Deutschen spielten sich couragiert durch das erste Drittel. Dem Nürnberger Patrick Reimer gelang bereits in der fünften Spielminute das Führungstor zum 1:0 für die DEB-Auswahl und schlagartig war es still in der Halle.

Auch wenn die Russen daraufhin auf Powerplay umgeschaltet haben, dauerte es bis zur 21. Minute, bis Wadim Schipatschow die Halle und ganz Russland durch seinen Ausgleichstreffer erlöste. In der 27. Minuten setzte Jewgeni Dadonow das 2:1 obendrauf. Nun war die Ordnung für Russland wieder hergestellt und dessen Stars auf dem Eis spielten inzwischen ein mörderisches Tempo. Fünf Minuten vor Ende des Mitteldrittels schob Shipachyov nach Zuckerpass mit Telegin zum 3:1 ein. Die „Sbornaja“ zelebrierte nun Eishockey.

Das letzte Drittel und wieder spielten die Russen Eishockey quasi aus dem Handgelenk. In der 43. Spielminute kam der, der verspätet bei der Mannschaft eintraf, er sah und Russland siegte nun endgültig. Superstar Alexander Owetschkin versenkte mit seinem ersten Turniertreffer zum 4:1 Endstand. Deutschland somit ausgeschieden, Russland erwartungsgemäß auf dem besten Weg ins Finale.

Aus deutscher Sicht war das, so muss mit allem Respekt gesagt werden, zwar eine Niederlage, aber eine mit unheimlich viel Stil und auf sehr hohem Niveau. Die Deutschen spielten insgesamt eine starke Partie, die Russen allerdings eine noch deutlich Stärkere. Gegen diese unglaublichen Russen verloren zu haben, ist wahrlich keine Schande für den deutschen Eishockeysport.

Im Halbfinale geht es nun für die „Sbornaja“ am Samstag gegen die letzten noch verbleibenden Skandinavier im Bunde, die Finnen.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.