Die wahren Helden von Sotschi [Tag 6 und 7]

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Wie blödsinnig die Abstinenz von den Olympischen Spielen ist, haben wohl inzwischen die Meisten begriffen. Denn neben der Medaillenflut passieren Sachen, die auch ohne Rekorde wahre Helden der Olympischen Winterspiele 2014 hervorbringen. Einige von ihnen wollen wir Ihnen in dieser kleinen Kolumne vorstellen. Denn Sie wissen doch: Dabei sein ist alles!

Nehmen wir doch gleich einmal wieder die nordischen Skifahrer aus Russland. Haben sie zuerst dem deutschen Team aus der Patsche geholfen, traten sie erneut in der Mission „Konkurrenten greifen unter die Arme“ an. Des Kanadiers Teamcoach, Justin Wadsworth, Hilfe ist es zu verdanken, dass der russische Langläufer Anton Gafarow nach einem Sturz wieder weiterfahren konnte. Der Sprinter hatte mit einem kaputten Arbeitsgerät zu kämpfen, der Kanadier hatte neue Ski.

Und gleich noch was aus der Welt der langen Ski. Diesmal heißt der wahre Held Juri Tewikow. Tewikow ist ein Mitstreiter des ukrainischen Serviceteams der Biathleten. Er reiht sich in die Liste ein, weil er in rekordverdächtiger Eile dem Kanadier Jean-Philippe Leguellec einen Ersatzski besorgt hat, nachdem sein Eigener zerbrochen war. „Ich bin ihm sehr dankbar! Als er mit dem Ski zu mir lief, brach er vielleicht den Rekord von Usain Bolt im 100-Meter-Lauf“, wird Leguellec nach dem Wettbewerb zitiert.

Tja, dann hätten wir noch den US-Bob-Fahrer Johnny Quinn. Sie werden jetzt sicher sagen, dass wir den schon hatten. Das ist richtig, aber wir haben ihn schon wieder. Er scheint auf eine besondere Vorliebe für das Eingesperrt sein zu bestehen. Diesmal war es allerdings nicht die Klotür, die er brachial mit dem Kopf durch die Wand öffnen musste, sondern es war der Aufzug, in dem er steckte. Zwar löste sich das Problem relativ unaufgeregt, aber Quinn musste sich trotzdem einen Rüffel von höchster Instanz gefallen lassen. Niemand geringeres als Captain Kirk, alias William Shatner, von der Enterprise, twitterte den Bob-Piloten zur Raison. Kein Quatsch mehr, bis eine Medaille da ist, so die kurze aber umso deutlichere Botschaft aus den fernen Galaxien. Der Space-Captain gehört damit unbedingt in unsere Heldengalerie…

(Michael Barth/russland.RU)

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.