Die wahren Helden von Sotschi [Tag 11]

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Hier sind sie wieder, die wahren Helden von Sotschi. Kein Wettkampftag vergeht, ohne dass sie die heimlichen Heroen hinter den Kulissen der Olympischen Winterspiele 2014 stellen. Stille Helden, unauffällige Helden, halt eben doch die Echten. Man sollte ihnen Beachtung schenken. Denn Sie wissen doch: Dabei sein ist alles!

Ein Weitspringer, der den Kamikaze im Eiskanal geben will. Zugegeben, das hat man nicht alle Tage. Olympiasieger war er ja schon, der Brite Greg Rutherford, aber halt eben in London und das war im Sommer 2012. Nun will der 27-Jährige umsatteln. Das sei eine große Herausforderung für einen Sportler, meint er. „Ich meine es ernst. Es hat etwas, mit dem Kopf voran die Bahn hinunterzurasen“. 2018 will er im südkoreanischen Pyeongchang seinen Plan wahrmachen. Bei einem Erfolg wäre er der zweite Athlet, der jemals Gold in beiden Jahreszeiten einheimsen konnte. Der Andere hieß übrigens Eddie Eagan und trat für die USA an. Da war er 1920 Boxer und holte sich 1932 die Trophäe im Viererbob.

Hans Hosp kennt vermutlich kein Mensch. Das soll sich hiermit ändern. Er schaffte es in unsere kleine Hall of Fame, weil er in erster Instanz Vater ist. Aber das wäre jetzt nur die halbe Wahrheit, denn seine Tochter ist niemand Geringeres als die österreichische Alpin-Ski-Fahrerin Nicole Hosp. Hansemann unterstützt seine Tochter bei den meisten ihrer Rennen mit seiner bloßen Anwesenheit. „Es ist immer schön und wichtig, wenn jemand von der Familie dabei ist. Da hat man einen guten Rückhalt.“, sagt die 30-Jährige Tirolerin. Extrem dabei wäre er immer recht gern, schickt sie auch gleich hinterher. „Er kann sich das daheim vor dem Fernseher nicht anschauen, da ist er so nervös. Im Zielraum wird es auch nicht besser sein, aber da ist er wenigstens vor Ort“. Dann wünschen wir mal Papa Hosp eine schöne Zeit in Russland.

An dieser Stelle sollte nun auch einmal das IOC, das Internationale Olympische Komitee,  seine Aufwartung bekommen. Am gestrigen Sonntag ist nun endlich auch die indische Flagge im Olympischen Dorf gehisst worden. Wer bei der Eröffnungszeremonie genau hingesehen hat, wird bemerkt haben, dass die indischen Athleten unter dem Banner des internationalen Verbandes einmarschierten. Das nationale Komitee Indiens wurde vergangenes Jahr von der Liste gestrichen, weil es einige Funktionäre dann doch etwas zu doll getrieben hatten. Die schwarzen Schafe wurden mittlerweile durch, so hoffen wir, vertrauenswürdigere Offizielle ersetzt und Indien ist wieder rehabilitiert. Namaste in Sotschi…

(Michael Barth/russland.RU)

 

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.