Die Ukraine spielt zunehmend Vabanque

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Die Situation im Osten der Ukraine hat sich in den letzten Tagen zugespitzt.

Ukrainische Streitkräfte haben nach Angaben des Donezker Verteidigungsamts den Ort Makejewka unter Beschuss genommen. Die ukrainische Armee hatte zudem versucht, die Stellungen der Volkswehr am Sonntag und Montag im Raum von Awdejewka zu durchbrechen.

Laut dem Pressesprecher Putins, Peskow, sprechen zuverlässige Daten dafür, dass nicht die Streitkräfte der Ukraine, sondern die irregulären Einheiten einen Versuch unternahmen, die von den Republiken Donezk und Lugansk kontrollieren Gebiete anzugreifen.

Poroschenko sah sich daraufhin gezwungen, seinen Deutschland-Besuch abzubrechen.

Die »SZ« schreibt in ihrer Montagsausgabe „nach Berliner Informationen, die sich unter anderem auf Berichte der OSZE-Mission in der Ostukraine stützen, versuchen derzeit vor allem ukrainische Militärs, den Frontverlauf zu ihren Gunsten zu verschieben. Offenbar nehmen sie dabei auch in Kauf, dass sich die Spannungen erhöhen, heißt es in Berliner Regierungskreisen.“

In Berlin vermutet man, dass dahinter die Überlegung Poroschenkos stecken könnte, die Situation heftig zu verschärfen, um in der Folge US-Präsident Donald Trump davon abzuhalten, die Sanktionen gegen Russland zu lockern. Man ist der Ansicht, dass Poroschenko zum Äußersten greifen könnte, um ein Ende der Sanktionen gegen Russland zu verhindern.

Die Bundesregierung befürchtet allerdings, dass der Schuss nach hinten losgehen könnte. Es wird für möglich gehalten, dass Trump unabhängig von der Situation in der Ostukraine und im Donbass – er hat mehrmals durchblicken lassen, dass ihm die Ukraine nicht wichtig ist – die Sanktionen lockern oder gar aufheben könnte.

Die Ukraine hätte dann eine selbstverschuldete eskalierte Situation in der Ostukraine und wenig Aussicht auf Hilfe, denn auch für die EU-Staaten ist die Ukraine längst eine Last geworden. Die Mahnungen der Europäer, dass auch die Ukraine Schritte gemäß dem Minsker Abkommen unternehmen müsse, verhallen ungehört.
Langsam beginnt sich hier die Erkenntnis durchzusetzen, dass man von der ukrainischen herrschenden Schicht benutzt wird.

Man hält es außerdem für wenig wahrscheinlich, dass es gelingen wird, Poroschenko von seinem Vabanque-Spiel abzuhalten.

Jetzt haben sich auch die nicht anerkannten „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk (kurz Donbass) zu Wort gemeldet und an Russland, die USA und Deutschland appelliert, zu helfen.
„Stoppt Poroschenko, rettet den Donbass“, heißt es am Dienstag in einem Appell an Wladimir Putin, Donald Trump und Angela Merkel.
„Zwingt Poroschenko aufzuhören, auf friedliche Bewohner zu schießen […]. Tut das, bevor es zu spät ist, bewahrt uns vor einer humanitären und Umweltkatastrophe.“

(Hanns-Martin Wietek/russland.news)

Über den Autor

Hanns-Martin Wietek
Arbeitet als freier Publizist für russische Literatur und Geschichte für verschiedene Medien. Literaturkritiker für buechervielfrass.de und russland.RU. Seit 2003 bei russland.RU zuständig für Kunst und Kultur und stellt russische Künstler vor.