Die „Panama-Papers“: Sensation oder Eigentor?

Foto: Wikipedia/Jerrye & Roy Klotz CC BY-SA 3.0Foto: Wikipedia/Jerrye & Roy Klotz CC BY-SA 3.0
image_pdfimage_print

Vermeintlich handelt es sich um eine der größten Enthüllungen der Neuzeit, die sogar noch Wiki-Leaks in den Schatten stelle. In den „Panama-Papers“, koordiniert von der „Süddeutschen Zeitung“, haben 110 Medien aus über 80 Ländern angebliche Beweise zusammengetragen, wohin das liebe Geld verschwindet.

Über 215.000 Briefkastenfirmen wurden ins Feld geführt. Geheimfinanzen, Geldwäsche und derlei andere dubiosen Aktiva werden angeblich schonungslos aufgedeckt und in die Öffentlichkeit verbreitet. Kurioserweise taucht immer wieder der Name des russischen Präsidenten in den Artikeln auf. Auf etlichen Fotos ist Wladimir Putin unter anderem mit einem Pfeil gekennzeichnet, was keinen Zweifel daran aufkommen lassen soll, dass das Oberhaupt des Kremls unmittelbar an den schmutzigen Geschäften beteiligt sei.

Nur dass der Name Putins, im Gegensatz zu einigen anderen Staatsmännern, nirgendwo namentlich in einem der Artikel zu finden ist. Ganz im Gegensatz zu dem ukrainischen Präsidenten Pjotr Poroschenko und dem König von Saudi-Arabien zum Beispiel. Offenbar laufen die Fäden in der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca zusammen.

Die jedoch scheint nicht wirklich glücklich über die Veröffentlichungen zu sein. Die Kanzlei bezeichnet die Enthüllung der Dokumente gar als Verbrechen und sieht darin letztendlich einen Angriff auf Panama. Was hier wie hoch gekocht wurde, wird in den kommenden Tagen zu erwarten sein. Denn vorerst stehen diese „Panama-Papers“ als Sensation ziemlich wackelig im Raum. Was tatsächlich dahinter steckt, wird sich erst noch weisen. Es scheint daher noch ein wenig verfrüht, auf die Welle der Entrüstung aufzuspringen.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.