Der ukrainische Kindergarten

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Während sich die Hiobsbotschaften über die soziale und wirtschaftliche Situation in der Ukraine überschlagen und auch der Blick in die Zukunft immer aussichtsloser, ja trostloser wird, haben die ukrainischen Parlamentarier nichts Besseres zu tun, als sich darüber zu streiten, wer den neuen Ministerpräsidenten, den Nachfolger des zurücktretenden – noch ist er nicht zurückgetreten – Ministerpräsidenten Jazenjuk ernennt.

Die Partei des Präsidenten Poroschenko will, dass Noch-Ministerpräsident Jazenjuk am Dienstag zurücktritt und der unter allen Parteien ausgekungelte Nachfolger am Donnerstag ernannt wird.

Im Parlament war jedoch beschlossen worden, dass Jazenjuk zurücktritt und das Parlament gleichzeitig den Nachfolger ernennt. «Volksfront«, die Partei Jazenjuks, meldet nun, dass Jazenjuk nur zurücktreten werde, wenn gleichzeitig der Nachfolger ernannt wird.

Streng genommen wäre dieses ganze Gekungle per se überflüssig, weil, wenn alles lege artis gegangen wäre, Neuwahlen hätten stattfinden müssen. Aber allen war klar, dass der Ausgang der Wahlen ein Fiasko für die „regierenden“ Parteien geworden wäre und die meisten der heute vorhandenen Parlamentarier von ihren Futtertrögen vertrieben worden wären.

Wie bisher schon viele, so wird auch dieses Problem im Parlament der Ukraine höchstwahrscheinlich mit den Fäusten geklärt werden.

Ein Kindergarten niedrigsten Niveaus; und die Eltern, die, die den Kindergarten geschaffen haben, schauen zu und achten nur darauf, selbst nicht allzu viel Dreck abzubekommen.
(Hanns-Martin Wietek/russland.ru)

Über den Autor

Hanns-Martin Wietek
Arbeitet als freier Publizist für russische Literatur und Geschichte für verschiedene Medien. Literaturkritiker für buechervielfrass.de und russland.RU. Seit 2003 bei russland.RU zuständig für Kunst und Kultur und stellt russische Künstler vor.