Dalai Lama bittet Gorbatschow um Hilfe für Lösung des Tibet-Konfliktes

Der Dalai Lama hat den ehemaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow um Hilfe bei der Regelung des Konfliktes in Tibet gebeten, sagte Gorbatschow in einem Interview für die italienische Zeitung „La repubblica“, das am Dienstag veröffentlicht wurde.

Am 10. März waren in Lhasa, der Hauptstadt von Tibet, nicht genehmigte Demonstrationen ausgebrochen, deren Teilnehmer die Unabhängigkeit für diesen autonomen Bezirk der VR China gefordert hatten. Die Unruhen erreichten ihren Höhepunkt am 14. März, als in Lhasa rund 300 Brände sowie Angriffe auf Zivilisten registriert wurden.

Laut den offiziellen Angaben der chinesischen Behörden sind bei den Zusammenstößen 19 Menschen ums Leben gekommen, 623 weitere wurden verletzt.

Die chinesischen Behörden sind der Ansicht, dass die Massenunruhen von Anhängern des Dalai Lama organisiert worden waren, der eine Spaltertätigkeit betreibe. Der geistliche Führer wies die Anschuldigungen zurück und rief China zu einem konstruktiven Dialog mit dem tibetischen Volk auf.

„Der Dalai Lama hat sich an mich in meiner Funktion als Vorsitzender des Forums der Friedensnobelpreisträger gewandt. Er ist sehr beunruhigt über die Situation in Tibet und äußerte die Hoffnung, dass ich und andere bekannte Persönlichkeiten einen Beitrag zu deren friedlichen Lösung leisten können“, so Gorbatschow.

„Der Dalai Lama erklärt in seinem Schreiben, dass eine Lösung im Rahmen der territorialen Identität des chinesischen Staates gesucht werden muss. Es ist sehr wichtig, dass alle vernünftig urteilen und überstürzte Schritte vermeiden“, sagte der ehemalige Staatschef.

Ein internationales Journalistenteam reist am heutigen Dienstag in die chinesische Provinz Gansu zur Berichterstattung über die Folgen der jüngsten Unruhen. Dem siebenköpfigen Team gehören Journalisten aus den USA, Deutschland, Japan, Südkorea sowie ein Korrespondent von RIA Novosti an.