Confed-Cup 2017: Pack die Badehose ein

Foto: TV-Screenshot
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Was haben wir gelacht – Weltmeister – Pfeifendeckel, aber so was von. Sofern wir Robert Guérin, der rührige Franzose, der dieses Spektakel Fußball-WM erfunden hat, richtig verstanden haben, sollten sich bei diesem Turnier die besten Fußballer der Welt messen. Auch wenn das nur der ungeliebte und verschmähte Confed-Cup ist, der da momentan in Russland nicht beachtet wird, müsste man zumindest davon ausgehen können, dass er ein Gradmesser ist. Quasi ein Lot, um die eigene Wasserstandslinie zu ermessen, wie es um mein Team bestellt ist.

Demnach steht es beim Deutschen Fußballbund Land unter. Weltelite, darf man das nach der Partie Deutschland gegen Chile neu definieren? „Mir hän ned aufs Ergebnis gschaut“, wird der Bundes-Jogi hinterher sagen. Nicht einmal die „Ein Herz für Behindis-Aktion“ des Bulettenimperiums mit dem Horrorclown konnte retten, was nicht mehr zu retten war. Schon in der fünften Minute wehte es dem deutschen Torhüter Marc-Andre ter Stegen den Ball zum 1:0 für die Chilenen um die Ohren. Kein Wunder, dass Barcelona nie deutscher Meister wird und kein Wunder, dass ter Stegen wohl außer in Mönchengladbach kaum jemand kennt.

Kurz vor der Pause der Funke zur Ehrenrettung. Wer jubelt bezeichnenderweise auf der Tribüne – Chinesen. Das ist die Stunde der Wahrheit, der bitteren. Die Kollegen vom 11Freunde-Ticker beschreiben die Chilenen, nicht die Chinesen, wie folgt: Elf Mann, kaum größer als ein Gartenzwerg mit mehr Muskeln als ein Dobermann. Die kennen weder meinen Dobermann noch meinen Gartenzwerg. Die Engländer die in der Pause die erste Halbzeit analysieren wundern sich, was aus ‚Schland geworden ist. Kraut natürlich, was sonst. Wesentlich besser, die Ami-Ketschup-Werbung. Da raucht’s auf dem Grill, da ist Feuer im Karton.

Einer der nie fehlen darf, wenn man ihn nicht braucht, meldet sich aus St. Petersburg: „Ser is no Feier in sät Diem“ – Der Loddar wie man ihn kennt. Die Lichtgestalt der Peinlichkeiten aus tiefster Überzeugung. Der, der immer mit den jüngsten Mädels antritt, die er nur finden kann. Bevorzugt aus Osteuropa – wie sind die Jagdgründe an der Newa? Zurück nach Kasan, zurück aufs Feld. Vidal hat immer noch denselben Friseur. Deutschland versucht immer noch ins Spiel zu kommen, das versuchen uns die Engländer zu erklären, es sei eh alles nur ein Feldversuch, sagte der Jogi. Marc-Andre versucht zu ergründen, warum der Freistoß grad eben nicht in seinem Tor eingeschlagen hat.

Man sieht deutlich, die Südamerikaner sind nach Russland gekommen um den Cup zu holen. Deutschland um sich selbst zu gefallen. „Is ja au ned so wichtig“ – der Jogi halt. Immer drauf bedacht den Ball über seinen Jungs flach zu halten, der Gutmensch aus dem Schwabenländle. Seine Bundes-Buben können’s einfach nicht besser, langsam muss er sich damit abfinden. Machu Pichu gegen Nutella, da nützt es auch nicht die Hände zu Hilfe zu nehmen. Der Klassenunterschied braucht nicht mal einen Video-Beweis. Noch kein Freistoßspray, kein Video-Beweis? Jetzt haben wir’s – ein Retrospiel. Doch nicht? Jetzt versprüht er gleich die halbe Dose. Zahlt eh die FIFA. Endlich: Schluss, Aus, Ende, Feierabend – und Pustekuchen.

Na Loddar alter Sack, wie war die Pirsch, wie heißt die Kleine? Hut ab, du warst an dem Abend der Beste!

[Michael Barth/russland.NEWS]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.