Confed-Cup 2017: Baden statt Fußball

Confed-Cup 2017: Baden statt Fußball

Beim letzten Spiel der Russen da war es in Kasan rappelvoll beim an sich ungeliebten Confed-Cup. Da spielte die Sbornaja, da spielte der Stolz der Nation. Danach kam Deutschland nach Sotschi und kein Hahn kräht danach. Es sind nicht die Zuschauer von den Rängen die man hört, es ist die Trainerbank.

Es gilt der Kampf ums Halbfinale, es gilt der Kampf ums Geld. So sieht sie aus, die erste Halbzeit: Armselig und eine Zumutung für die nicht anwesenden Zuschauer. Zu was ist die einst schönste Nebensache der Welt verkommen, wenn ein Abpraller gegen den Kopf des Torwarts das einzige Highlight einer Halbzeit ist? Ter Stegen reckt sich einmal und hofft auf eine gute Haltungsnote. Das war’s auch schon vom ersten Durchgang. Teammanager Oliver Bierhoff sichtet derweil schon Quartiere für die WM im nächsten Jahr. Es wirkt hochnäsig.

Kerem Demirbay, der Sproß türkischstämmiger Eltern, hat sich auch für das Geld entschieden. Zunächst beim traditionslosen Unternehmerverein Hoffenheim und anschließend für die 50.000 ausgelobten Euro beim DFB. 1:0 für das Team mit den vielen Sternchen auf dem Hemd, das Team das keiner kennt. Die Kameruner, sie kriegen vermutlich weit weniger, ärgern sich schwarz, das Video hat ein böses Faul gesehen. Siani sieht für Mabouka Rot und Ondoa in die Röhre, 2:0. Der Video-Beweis scheint noch nicht ganz ausgegoren.

Der junge ter Stegen muss noch viel lernen in seiner Karriere. Lektion Nummer eins: Die Hände müssen zusammen sein, um einen Ball zu halten. Werner sieht das ganz gelassen. 3:1, es herrscht eine seltsame Haltung beim DFB. Das Spiel birgt so viel Spannung, dass man zuhause getrost erledigen kann, was in der letzten Woche liegen geblieben ist. Wir widmen uns dem Innenleben des Hügels der gemeinen Waldameise.

Reinhard Grindel, seines Zeichens DFB-Präsident, pflegt mittlerweile auch eine seltsame Haltung. Gehörte er zu den Kritikern der WM-Vergabe der ersten Stunde, hegt er nun den perfiden Plan, Russlands Politik mit Fußball in die Knie zu zwingen. Der einstige CDU-Bundestagsabgeordnete kann es nicht lassen. „Zivilgesellschaft … Brücken bauen … Dialog“ sprudeln ihm aus dem Mund. Grindel spekuliert mit der demokratischen Invasion des Auslands: „Hunderttausende ausländische Fans aus demokratischen Ländern werden zur WM kommen und über Wochen hier leben. Dieser Einfluss kann ein Land verändern.“

Der DFB-Präsident als weltfremder Phantast? Obwohl, am Ende sattelt Nawalny noch zum Oppositionsfußballer um. Am kommenden Donnerstag jedenfall treffen Jogis Buben im Halbfinale auf die Mexikaner. Da könnte Reinhard Grindel dann schon einmal üben. An der Drogenmafia, am korrupten Militär- und Polizeiapparat, der sie bekämpfen soll. Kritik kann er üben, es gäbe genug. Zum Beispiel an den Massakern der Kartelle an der Zivilbevölkerung. Oder hat er sich nur auf Russland fixiert – das ist schließlich momentan en vogue.

[Michael Barth/russland.NEWS]

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