Bruderkrieg vergiftet Kulturszene zwischen Kiew und Moskau

Foto: WikimediaImages CC0 Creative Commons via Pixabay
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Augrund der Konfrontation zwischen der Ukraine und Russland dürfen viele russische und europäische Künstler nicht mehr in der Ukraine auftreten. Wer weswegen zur unerwünschten Person erklärt wurde, darum geht es in diesem Artikel.

Alles begann 2014, als die Krim wieder ein Teil Russlands wurde. Die Ukraine verhängte verschiedene Sanktionen gegen Russland, unter denen es auch ein Einreiseverbot für russische Künstler gab. Am 8. August 2015 veröffentlichte das ukrainische Kulturministerium eine sogenannte Schwarze Liste mit Künstlern aus Russland, die nach Meinung der ukrainischen Behörden „die nationale Sicherheit gefährden“. Die Liste umfasst vierzehn Personen. Unter ihnen – Oleg Gazmanow, Josif Kobzon, Nikolai Rastorguejew, Michail Porechenkow, Mikhail Bojarsky und Sergei Bezrukow. Als offizieller Grund wird die „antiukrainische Position“ der Künstler angegeben. Im Konkreten geht es um die Befürwortung des Beitritts der Krim in die Russische Föderation und um die der selbsternannten Republiken Donezk und Lugansk, was sowohl in Äußerungen als auch in der Wahl der besuchten Orte zu erkennen sein soll.

Weiterhin wurden auch Nikita Michalkow, Kristina Orbakaite, die russischen Rap-Sänger Guf und Timati, Mitglieder vom Label Black Star und viele andere Musiker dieser Liste hinzugefügt. Die Verbotsformulierungen bezogen sich meistens auf die illegale Einreise auf die Krim beziehungsweise auf die Verletzung von Grenzübergangsregeln. Präzise Umstände der Delikte wurden fast nie angegeben.

Für Künstler mit ukrainischen Wurzeln und Verwandtschaft hatte das besonders leidvolle Konsequenzen. Der Fall der Sängerin Lolita Milawskaja zeigt ein besonders krasses Beispiel. Sie wurde im April 2017 aus dem Zug von Moskau nach Kiew geholt, weil sie im Jahre 2015 auf die Krim gefahren war, um ihre Mutter und die kranken Töchter zu besuchen. Die Sängerin veröffentlichte diesen Vorfall bei Instagram: „Mutti hat um acht Uhr morgens geweint und Eva ist in Tränen aufgelöst. Vor diesem Hintergrund gratuliere ich dem ukrainischen Inlandsgeheimdienst für einen brillanten Sieg über Saboteure aus dem Kreml“. Die Reaktion des ukrainischen SBU war ziemlich überraschend: sie veröffentlichten bei Twitter ein Foto von der tanzenden Milawskaja, auf dem ihre Brust sichtbar ist – mit der Überschrift „Viel Glück”. Die Behörde wurde dafür nicht nur in Russland, sondern auch in der Ukraine heftig gerügt.

Den vorläufigen Höhepunkt erreichte der Skandal am Vorabend des diesjährigen Eurovision Song Contest in Kiew. Die Teilnehmerin aus Russland, Julia Samoylowa, durfte nicht am Wettbewerb teilnehmen, weil der ukrainische Geheimdienst ein Einreiseverbot für sie verfügt hatte. Die Europäische Rundfunkunion schüchterte die Ukraine mit Sanktionen ein, aber die Ukraine rückte nicht von ihrem Standpunkt ab. Die Veranstalter von Song Contest schlugen vor, dass entweder Russland die Teilnehmerin austauscht oder Samoylowa mit Hilfe einer Live-Übertragung aus Russland singt. Die russische Seite blieb unnachgiebig und boykottierte den Wettbewerb.

Betroffen von dem Einreiseverbot sind nicht nur russische Künstler. Laut ukrainischem Recht können ausländische Bürger die „vorübergehend besetzten Gebiete“ nur mit einer Sondergenehmigung besuchen und nur über Grenzkontrollstellen auf dem Festland der Ukraine ein- und ausreisen.

Da die Mitglieder der deutschen Band Scooter dieses Gesetz verletzten, werden sie nun von der Ukraine strafrechtlich verfolgt. Sie traten auf einem Musikfestival im August 2017auf der Krim auf, und dafür droht ihnen jetzt eine Strafe von bis zu acht Jahren Gefängnis. Zu in der Ukraine unerwünschten Personen gehören mittlerweile auch die international bekannten Schauspieler Steven Seagal und Gerard Depardieu sowie, Fred Durst, der Frontmann der amerikanischen Rockband Limp Bizkit und der weißrussische Sänger Max Korzh.

Interessanter Weise leiden selbst ukrainische Künstler unter der Politik der ukrainischen Behörden. Sängerin Swetlana Loboda ist nicht nur in der Ukraine, sondern auch in Russland sehr populär. Bei ihren zahlreichen Touren in Russland kam es zu Konflikten mit ukrainischen Aktivisten. Im Mai 2017 störten sie ihr Konzert in Odessa und begannen eine Hetzkampagne gegen die „Liebhaberin des russischen Rubels“. Das war nicht der erste Fall: bereits früher hatten sie versucht, ihre Konzerte in Iwano-Frankiwsk und Tschernigow zu stören.

Ivan Dorn ist ein weiteres Opfer der Aktivisten. In einem Interview sagte er, dass Russen und Ukrainer Brüder sind. Er dementierte Gerüchte, dass er die Abtrünnigen im Donbass finanziell unterstützt habe. Nach dem Interview wurde er stark kritisiert und musste ein Konzern in Odessa wegen Drohungen absagen.

Zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Russland und Ukraine tragen diese Maßnahmen der ukrainischen Behörde keinesfalls bei. Im Gegensatz dazu hat Russland den Zugang für ukrainische Künstler nicht eingeschränkt – nicht einmal für Wladimir Zelensky, der ein entschiedener Befürworter ukrainischer Positionen ist. Ukrainische Sänger sind immer noch gern gesehene Gäste auf russischen Bühnen.

[Anastasia Petrowa/russland.NEWS]