Begnadigte ukrainische Ex-Pilotin bereit für den ukrainischen Präsidentenposten

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[Hanns-Martin Wietek] Die in Russland wegen Beihilfe zum Mord an zwei russischen Journalisten verurteilte und vor wenigen Tagen auf Veranlassung der Angehörigen der Ermordeten  von Präsident Putin begnadigte ukrainische Ex-Pilotin Nadeschda Sawtschenko hat nach ihrer Ankunft in der Ukraine auf einer Pressekonferenz zum Ausdruck gebracht, dass sie auch bereit wäre, Präsidentin der Ukraine zu werden.

„Wenn Sie glauben, dass ich Präsident werden soll, gut, dann werde ich Präsident“ Sie schätzte allerding ihre Chancen für das Präsidentenamt selbst schlecht ein, weil „die Menschen noch nicht gelernt hätten, ohne Bestechung zu wählen“.

„Ich werde dort arbeiten, wo die Ukraine mich braucht“ sagte sie, ohne auszuschließen, dass sie auch wieder beim Militär Dienst machen würde.

Letzteres ist allerdings unwahrscheinlich, da sie noch im Gefängnis sitzend von Julia Timoschenkos Vaterlandspartei an oberster Stelle auf der Liste für das Europaparlament nominiert wurde.

Gedankt hat sie es Timoschenko jedoch nicht, denn als Timoschenko sie bei ihrer Ankunft in der Ukraine mit einem Blumenstrauß begrüßen wollte, erhielt sie eine kräftige Abfuhr mit den Worten, sie könne keine Blumen leiden, sie sollten verschwinden. Auch lehnte sie eine Umarmung von Timoschenko ab, weil sie einander nicht gut  genug kennen würden. Das kurze Treffen endete mit einem Händeschütteln.

Gleichzeitig schloss sie nicht aus, die Führung von Timoschenkos Vaterlandspartei zu übernehmen. Wenn man sie allerdings auf diesem Posten nicht brauche, werde sie auch als einfaches Mitglied in der Partei arbeiten.

Präsident Poroschenko hat mit der Ex-Pilotin andere Pläne: Nach seinen Plänen solle sie aggressive  „Botschafterin“ der Ukraine werden und in verschiedenen Ländern die feindliche Politik Russlands und der abtrünnigen Donbass-Republiken darstellen.

Als ukrainische Parlamentarierin solle sie in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (PACE) und im Europäischen Parlament sowie in europäischen Ländern die Situation im Donbass und der Ukraine „diskutieren“. Damit wäre Sawtschenko auch aus der ukrainischen Innenpolitik entfernt und einer möglichen Gefahr für Poroschenkos Präsidentenamt vorgebeugt, denn diese Gefahr könnte bei der Emotionalität und Irrationalität der ukrainischen Politik durchaus real werden.
[Hanns-Martin Wietek/russland.ru]

Über den Autor

Hanns-Martin Wietek
Arbeitet als freier Publizist für russische Literatur und Geschichte für verschiedene Medien. Literaturkritiker für buechervielfrass.de und russland.RU. Seit 2003 bei russland.RU zuständig für Kunst und Kultur und stellt russische Künstler vor.