Außenminister Lawrow im Interview mit den Nachrichtenagenturen TASS und AP

Lawrow Interview 170920 Bild kremlin.ru
image_pdfimage_print

Am Mittwoch gab Außenminister Lawrow der russischen Nachrichtenagentur TASS und der amerikanischen AP ein kurzes Interview.

Befragt, wie er jetzt nach seinen Gesprächen mit seinem US-Kollegen Tillerson die Beziehung zwischen Russland und den USA einschätze, wies er auf die Aussagen Trumps vor seinem Amtsantritt hin. Trump habe gesagt, dass er gute Beziehungen zu Russland haben wolle, weil das in beidseitigem Interesse sei und weil nur so bilaterale und Probleme auf der Welt gelöst werden können. Und wenn er mit seinem Kollegen Tillerson spreche, so ergebe sich dass das die Einstellung der US-Regierung sei.

Auch die amerikanische Seite sei nicht glücklich mit der Situation, die die Regierung Obamas hinterlassen habe, aber man müsse Realist sein und mit den gegebenen Umständen arbeiten.

Auf die Frage, ob es – nachdem er sich jetzt zwei Mal mit Tillerson getroffen habe – denn Aussichten gebe, dass sich die beiden Präsidenten treffen, wies er darauf hin, dass sie sich in Hamburg am Rande des G20-Giofels getroffen hätten und Anfang November die Möglichkeit sei, dass sie sich auf dem APEC-Gipfel treffen. Er sei sich sicher, dass – wenn beide zur selben Zeit am selben Ort seien – sie auch miteinander sprechen würden.

Ob das diplomatische Tit-for-tat jetzt vorbei sei, wurde er gefragt.
Er wies darauf hin, dass Russland lange gewartet habe mit der Reaktion auf Obamas Aktion und er halte Tillerson für einen ernsthaften Mann, daher hoffe er, dass dieses Kapitel jetzt abgeschlossen sei.

Bezüglich der Krisenherde Syrien, Nordkorea und Donbass befragt, wo er denn die größten Fortschritte oder gar einen Durchbruch erwarte, meinte er, dass er niemals etwas erwarte.

„Natürlich wollen wir die ukrainische Krise beenden. Aber das hängt mehr von der ukrainischen Verwaltung ab als von uns. Sie müssen nur die Minsk-Vereinbarungen lesen und alles wird klar.
Wir wollen eine Vereinbarung in Syrien erreichen und arbeiten intensiv daran, unter anderem bei der Bekämpfung des Terrorismus und indem wir Bedingungen zur Lösung humanitärer Probleme und Versöhnung schaffen und einen nationalen Dialog zwischen der Regierung und der Opposition herstellen, um schließlich eine politische Lösung, die die Interessen und Hoffnungen aller Syrer erfüllt, zu erreichen.
Das gleiche gilt für die anderen Bereiche, sei es der Konflikt im Jemen, die Situation im Irak oder das nukleare Problem auf der koreanischen Halbinsel.“

Angesprochen auf die Rede Trumps in der UN-Vollversammlung, in der dieser die völlige Zerstörung Nordkoreas androhte, erklärte Lawrow:
„Wir hörten die Aussagen von Präsident Trump über Nordkorea viele Male. Wir bezweifeln nicht, dass die Vereinigten Staaten die Fähigkeit haben, etwas sehr Zerstörendes zu tun.
Aber ich achte auf einen anderen Teil der Rede des Präsidenten, als er sagte, dass er die Souveränität und Gleichheit in internationalen Angelegenheiten respektiert, dass die Vereinigten Staaten durch Beispiel und nichts anderes führen wollen und dass die USA ihren Lebensstil nicht anderen aufdrängen würden und dass sie die Vielfalt der Nationen, Kulturen und Zivilisationen akzeptieren würden. Ich denke, das ist eine sehr willkommene Aussage, die wir seit langem von keinem amerikanischen Führern gehört haben.“

Abschließend wurde er gefragt, was er dazu sage, „dass der US-Verteidigungsminister James Mattis in einem Interview sagte, dass die Vereinigten Staaten Schweden verteidigen würden, wenn es angegriffen werde, obwohl Schweden kein Mitglied der NATO sei.“

„Schau, ich bin kein Arzt, und ich kann nicht auf paranoide Aussagen reagieren. Ich habe gehört, dass die schwedische Regierung Angst vor etwas hat und die deutsche Regierung die Daumen gekreuzt hat und uns dankbar ist, dass wir uns eine Woche vor der Wahl noch nicht in die Wahl einmischen. Es gibt so viele Phantastereien, dass es eine Zeitverschwendung ist, darauf zu achten. Es ist falsch, und das ist alles.“

[hmw/russland.NEWS]

Über den Autor

Hanns-Martin Wietek
Arbeitet als freier Publizist für russische Literatur und Geschichte für verschiedene Medien. Literaturkritiker für buechervielfrass.de und russland.RU. Seit 2003 bei russland.RU zuständig für Kunst und Kultur und stellt russische Künstler vor.