Attentat auf polnisches Generalkonsulat in der Ukraine

Foto: Tomasz_Mikolajczyk CC0 Public Domain via Pixabay
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In der Nacht auf Mittwoch haben bisher Unbekannte das polnische Generalkonsulat in der westukrainischen Stadt Luzk beschossen, wie ukrainische Medien berichten. (z.B. Ukraine-Nachrichten, UNIAN und Volyn25)

Die einen sprechen von einem Granatwerferbeschuss, die anderen von einem Beschuss mit einer Panzerfaust. Getroffen wurden nur die Wand und das Dach, und eine Fensterscheibe ging zu Bruch. Menschen wurden nicht verletzt, da im Generalkonsulat niemand anwesend war. Von offizieller Seite war die Vermutung zu hören, dass es sich wahrscheinlich „nur“ um eine Provokation handele.

Die Strafverfolgungsbehörden haben Ermittlungen wegen eines Terroranschlages aufgenommen.

Präsident Poroschenko verurteilte das Attentat, hat sich telefonisch bei seinem polnischen Kollegen entschuldigt und versichert, dass alles getan werde, um den terroristischen Akt aufzuklären.

Das polnische Außenministerium hat den ukrainischen Botschafter, Andrej Deschitza, einbestellt und scharf protestiert. Deschitza beschuldigte Russland. Dieses sei daran interessiert, dass die Unterstützung der Ukraine im Westen durch Polen abnehme und deshalb sei „diese Provokation“ auch organisiert worden.
Das veranlasste die Sprecherin des russischen Außenministerium, Maria Sacharowa, via Facebook zu antworten „Göttlich. Ich würde noch hinzufügen, dass Russland mit Hybrid-Technologie dem Botschafter Deschitza geholfen hat, das Ansehen der Ukraine in den Augen der Polen zu verschlechtern“.

Luzk ist die Hauptstadt des Rayons Wolhynien. In dieser Region, die an Polen angrenzt – und zu der früher auch ein Teil des heutigen Polen gehörte –, verschlechtern sich seit einiger Zeit die Beziehungen zum Nachbarn, weil auf beiden Seiten Nationalisten auftreten und geschichtlich noch nicht „bereinigte“ Probleme wieder auf die Tagesordnung kommen.
So hatten sich Ukrainer und Polen unter deutscher Besatzung im Zweiten Weltkrieg und in den Jahren danach dort heftig bekämpft.
In Lwiw, ebenfalls in der Westukraine, wurde im Februar das polnische Konsulat mit Farbe beschmiert, nachdem zuvor ein Denkmal für Polen, die im Zweiten Weltkrieg beim Massaker von Huta Pieniacka umgekommen waren, gesprengt worden war.

[Hanns-Martin Wietek/russland.news]

Über den Autor

Hanns-Martin Wietek
Arbeitet als freier Publizist für russische Literatur und Geschichte für verschiedene Medien. Literaturkritiker für buechervielfrass.de und russland.RU. Seit 2003 bei russland.RU zuständig für Kunst und Kultur und stellt russische Künstler vor.