Anti-Terror und Attentate

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Es liegt in der Natur der Sache, dass die Untersuchungsbehörden nicht alle Ermittlungsergebnisse veröffentlichen. So ist die Presse auf „nicht näher Genannte“ aus dem Ermittlungsapparat oder dem Geheimdienst angewiesen.

„NichtnäherGenannte“ aus dem Geheimdienst berichten, der Attentäter in der Petersburger Metro sei schon einmal in Syrien gewesen und habe in den vergangenen Monaten versucht, erneut aus Kirgisistan nach Syrien zu reisen – was ihm nicht gelungen sei.
Aus den gleichen Kreisen kommt die These, der Attentäter sei gar kein Selbstmordattentäter gewesen, sondern er sei quasi als „lebende Bombe“ von seinen Hintermännern missbraucht worden: So wie die rechtzeitig entschärfte zweite Sprengladung am »Ploschtschad Wosstanija« durch einen Mobilfunkzünder gezündet hätte werden sollen, so sei auch der Attentäter auf seinem Weg zu einem weiteren Ort von seinen eigenen Genossen „gezündet“ worden.

Von den Untersuchungsbehörden verlautet, dass im Rahmen der Anti-Terror-Razzien in einer Petersburger Wohnung am Towarischeskij Prospekt sieben Personen festgenommen wurden. Bei ihnen fand man Handfeuerwaffen und einen Sprengsatz, der dem in der Metro deponierten ähnlich sei. Der Inlandgeheimdienst FSB und das Ermittlungskomitee teilten aber sofort mit, dass diese Personen in keiner direkten Verbindung mit dem Selbstmordattentäter Akbarschon Dschalilow gestanden hatten.

Nicht auf Hören-Sagen angewiesen ist man bei einem Attentat in Rostow am Don. Eine Überwachungskamera hat festgehalten –wie man bei der Auswertung sah –, wie ein Mann einen in einer Tüte eingewickelten Gegenstand an einem Gymnasium deponierte. Als ein anderer die Tüte aufhob, detonierte ein in der Taschenlampe eingebauter Sprengsatz. Dem Mann wurde eine Hand abgerissen und er erlitt Schrapnellwunden in Brust und Bauchdecke.

In Astrachan an der Wolgamündung wurden in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag nach Behördenangaben vier „radikale Islamisten“ erschossen, die zwei Tage zuvor zwei Polizisten erschossen hatten. Für diesen Terrorakt übernahm der IS die Verantwortung.

[Hanns-Martin Wietek/russland.news]

Über den Autor

Hanns-Martin Wietek
Arbeitet als freier Publizist für russische Literatur und Geschichte für verschiedene Medien. Literaturkritiker für buechervielfrass.de und russland.RU. Seit 2003 bei russland.RU zuständig für Kunst und Kultur und stellt russische Künstler vor.