Der russische Schwarzmeer-Badeort Anapa will seine Badesaison am 1. Juni offiziell eröffnen. Sie soll nach Angaben der Stadtverwaltung bis zum 30. September dauern. Es ist die erste reguläre Saison nach der schweren Havarie zweier Tanker in der Straße von Kertsch im Dezember 2024, deren Folgen den Tourismus an der Küste im vergangenen Jahr massiv belastet hatten.
Bürgermeisterin Swetlana Maslowa erklärte, das Baden im Meer werde in den Bereichen erlaubt, die aus der nach der Tankerhavarie festgelegten Gefahrenzone herausgenommen worden seien. Auf den Kiesstränden sowie auf einem ein Kilometer langen Abschnitt der Sandstrände werde bereits die notwendige Infrastruktur aufgebaut. Auf anderen Sandstränden dauerten die Arbeiten weiter an; dort werde sauberer Sand aufgebracht.
Die Entscheidung ist für Anapa wirtschaftlich von großer Bedeutung. Der Ferienort in der Region Krasnodar lebt in hohem Maße vom Tourismus. Im Sommer 2025 galt in Anapa wegen der Folgen der Ölverschmutzung ein Verbot für Badeurlaub, auch wenn es von vielen Touristen ignoriert wurde. Nach der Havarie der Tanker „Wolgonjeft-212“ und „Wolgonjeft-239“ waren Ölprodukte an die Küste gespült worden; auch nach Aufräumarbeiten trat nach Stürmen immer wieder Masut an den Strand.
Die Tourismusbranche reagierte entsprechend erleichtert. Die Assoziation der Reiseveranstalter Russlands, ATOR, erwartet, dass allein die Nachricht von der Wiedereröffnung die Nachfrage nach Reisen nach Anapa bereits in dieser Woche um bis zu 40 Prozent gegenüber der Vorwoche erhöhen könnte. ATOR-Vizepräsident Sergej Romaschkin sagte, Touristen und Reisebranche hätten lange auf diese Nachricht gewartet.
Schon vor der offiziellen Ankündigung war die Nachfrage nach Anapa-Reisen im organisierten Segment gestiegen. Nach Angaben von Marktteilnehmern lag das Plus im Durchschnitt bei 30 bis 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr; bei einzelnen Veranstaltern war der Zuwachs wegen der niedrigen Basis von 2025 noch deutlich höher. Mehr als die Hälfte des geplanten Angebots sei bereits verkauft.
Trotzdem ist von einer vollständigen Rückkehr zum Vorkrisenniveau noch keine Rede. ATOR rechnet für 2026 mit 3,8 bis 4 Millionen Touristen in Anapa. Im Jahr 2024, also vor der Havarie, waren es noch 5,5 Millionen gewesen. 2025 fiel die Zahl auf rund 3 Millionen. Eine vollständige Erholung des Touristenstroms erwartet die Branche erst 2027.
Gleichzeitig bleiben ökologische und gesundheitliche Fragen offen. Nach Angaben der „Moscow Times“ erhielten mindestens drei Strände in Anapa bereits eine offizielle Sicherheitsfreigabe der Verbraucherschutzbehörde Rospotrebnadsor. Unabhängige Umweltexperten warnen jedoch, das Aufbringen einer neuen Sandschicht sei nur dann wirksam, wenn der darunterliegende Strand zuvor gründlich gereinigt worden sei. Andernfalls könne Schweröl wieder an die Oberfläche gelangen. Auch auf dem Meeresboden verbliebene Masut-Reste könnten sich bei steigenden Wassertemperaturen lösen und erneut an die Küste gespült werden.
Damit beginnt Anapas Saison 2026 unter besonderen Vorzeichen. Für die Behörden und die Tourismusbranche ist die Wiedereröffnung ein wichtiges Signal der Normalisierung. Für Urlauber bleibt sie zugleich ein Test darauf, ob die Folgen der Tankerhavarie tatsächlich ausreichend beseitigt wurden — oder ob die Natur die vermeintlich abgeschlossene Katastrophe im Sommer noch einmal zurück an den Strand bringt.

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