Nach der schweren Ölverschmutzung im Schwarzen Meer bemühen sich die russischen Behörden, das Image des Badeortes Anapa rechtzeitig zur Sommersaison wieder aufzupolieren. Die Leiterin der russischen Verbraucherschutzbehörde Rospotrebnadsor, Anna Popowa, erklärte auf dem Petersburger Wirtschaftsforum, die Strände von Anapa seien sicher und für die Tourismussaison bereit. Dort, wo eine sanitäre Genehmigung erteilt worden sei, könne man „absolut sicher“ Urlaub machen.
Nach Angaben Popowas umfassten die Reinigungsarbeiten 151 Objekte in Anapa. Beteiligt gewesen seien neben Spezialisten ihrer Behörde auch Wissenschaftler und Akademiemitglieder der Russischen Akademie der Wissenschaften. Seit dem 1. Juni ist in Anapa erstmals seit dem Tankerunglück vom Dezember 2024 wieder ein Teil der Sandstrände für Urlauber geöffnet. Insgesamt handelt es sich zunächst um 4,5 Kilometer Küste: einen Kilometer im Ortsteil Witjasewo sowie 3,5 Kilometer im Stadtzentrum zwischen dem sogenannten Heilstrand und dem Sanatorium „Bimljuk“. Auch die Kiesstrände, von denen einige schon im vergangenen Jahr zugänglich waren, sollen wieder offen sein.
Der Hintergrund bleibt jedoch erheblich. Am 15. Dezember 2024 waren bei einem Sturm in der Nähe der Straße von Kertsch die Tanker „Wolgoneft-212“ und „Wolgoneft-239“ verunglückt. Nach russischen Angaben gelangten dabei rund 2.400 Tonnen Ölprodukte ins Meer. In russischen Medien und Behördenmitteilungen ist meist von Mazut beziehungsweise Ölprodukten die Rede. Für die Ferienregion Anapa war der Unfall ein schwerer Schlag: In der vergangenen Saison blieben sämtliche Sandstrände geschlossen, weil die Reinigung der Küste weiterlief.
Umso auffälliger fällt nun die offizielle Begleitmusik zur Wiedereröffnung aus. Der Gouverneur der Region Krasnodar, Weniamin Kondratjew, erklärte, der Sand an den Stränden von Anapa stehe dem Sand an thailändischen Stränden qualitativ nicht nach. Vertreter einer bekannten thailändischen Hotelgesellschaft, deren Namen er nicht nannte, hätten dies bestätigt. Kondratjew betonte zugleich, die Region Krasnodar bewahre ihren Status als „Kurort des Landes“; Anapa, Gelendschik und Sotschi hätten sich in den vergangenen Jahren stark verändert und vermittelten Urlaubern ein neues Bild des modernen Russlands.
Noch weiter ging Vizepremier Dmitri Tschernyschenko. Er meinte, der Sand in Anapa sei inzwischen sauberer als an den renommiertesten europäischen Badeorten, „ich denke, sauberer als an der Côte d’Azur“. Solche Vergleiche sollen offenbar Vertrauen schaffen – sie zeigen aber auch, wie groß der kommunikative Reparaturbedarf nach der Ölkatastrophe ist.
Denn die Wiedereröffnung betrifft bislang nur geprüfte Abschnitte. Andere Teile der Küste sollen erst schrittweise freigegeben werden, nachdem Fachleute von Rospotrebnadsor sie als sicher eingestuft haben. Zudem wird auf den Sandstränden sauberer Sand aufgeschüttet. Das ist für den Tourismus praktisch, wirft aber die naheliegende Frage auf, wie belastbar der Eindruck einer vollständig überwundenen Umweltkrise tatsächlich ist.
Für Anapa ist die Botschaft dennoch eindeutig: Die Saison soll stattfinden. Für die Behörden ist der Badeort nicht nur ein touristischer, sondern auch ein symbolischer Ort. Nach Monaten von Bildern verschmutzter Küsten, Helfereinsätzen und Warnungen soll nun wieder Normalität demonstriert werden. Der Ton der offiziellen Erklärungen wirkt dabei fast lauter als die eigentliche Nachricht: Ein Teil der Strände ist wieder offen, aber die Folgen des Tankerunglücks sind damit nicht einfach aus der Welt.

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