AKW Busher – Haben Russland und Israel gemeinsam Iran ausgetrickst?

Offiziell hat Russland in der Mitte der 2000er Jahre Teheran nie kritisiert. Aus den bei WikiLeaks durchgesickerten Dokumenten geht aber hervor, dass der Kreml und Jerusalem damals eng kooperierten, um die Fertigstellung des von Russland im Iran gebauten Reaktors zu verzögern.

Wie die norwegische Tageszeitung Aftenposten jüngst berichtete, kam es seit 2006 zu einer überraschenden Zusammenarbeit zwischen der russischen und israelischen Regierung. Als Gideon Frank, Chef der israelischen Atomenergiekommission, im Januar 2006 in Moskau mit der russischen Führung über das iranische Atomprogramm verhandelte, dürften die Beamten im Kreml geschwitzt haben. Auf der einen Seite diejenigen, die einen nuklear bewaffneten Iran fürchteten. Andererseits die, die eine Konfrontation mit dem Iran verhindern wollten, da die Iraner den Russen gedroht hatten, in Tschetschenien Schwierigkeiten zu machen. Anscheinend wollte Teheran seinen Einfluss bei den muslimischen Völkern des südlichen Russlands in für den Kreml nachteiliger Weise nutzen, falls Moskau in der Atomfrage nicht angemessen kooperieren werde.

Laut einer Depesche aus der US-Botschaft in Tel Aviv nach einem Treffen mit Frank scheinen israelische Top-Beamte voll des Lobes für die Russen gewesen zu sein. Im Gegensatz zu der damals vielfach offiziell geäußerten Kritik seitens Israel und anderer westlicher Länder, dass Russland in Sachen Nukleartechnologie zu eng mit Iran zusammenarbeite, haben Russland und Israel hinter den Kulissen kooperiert, wie die norwegische Zeitung Aftenposten auf Grund bisher noch nicht veröffentlichter WikiLeaks-Dokumente berichtete.

Die Zusammenarbeit war insbesondere darauf gerichtet, wie Moskau Verzögerungen bei dem unter Russlands Beteiligung gebauten Atomkraftwerk in der iranischen Stadt Bushehr rechtfertigen könne. Bei einem Treffen zwischen Gideon Frank und Sergej Kirijenko, ehemaliger russischer Ministerpräsident und derzeitiger Chef von Rosatom – die russische Atomenergie-Kommission – sagte Kirijenko, dass er bereit sei, sich mit israelischen Fachleuten zu besprechen, welche neuen Sicherheitsmaßnahmen die Russen den Iranern auferlegen könnten. Das Ziel bestand ausschließlich darin, den Bau der Anlage zu verzögern.

Weiter heißt es in den US-Depesche, Kirijenko habe zugesagt, dass Russland die Fertigstellung von Bushehr bis Mitte 2007 verzögern werde, da man vor dieser Zeit keinen Kernbrennstoff liefern werde. Frank betonte, dass dies für Israel sehr wichtig sei. Kirijenko teilte der israelischen Delegation mit, dass Russland bei den Gesprächen mit Iran die Verzögerung mit „technischen Problemen“ begründen werde, damit sich Teheran nicht beklagen könne. Gideon Frank sagte, dass die Iraner von dieser Verzögerung noch nichts wüssten. Erst wenn Kirijenko Ende Februar 2007 nach Teheran reisen werde, sollen die Iraner darüber informiert werden. Weiterhin berichtete Kirijenko, dass Putin selbst den Auftrag für diese Verzögerung gegeben habe.

Das Atomkraftwerk in Bushehr wurde erst im letzten Herbst in Betrieb genommen. Die 2006 von Russland gegenüber Israel versprochene Startverzögerung hat demnach viele Jahre länger vorgehalten. Kritiker des iranischen Atomprogramms argwöhnen, dass Iran das Kernkraftwerk in Busher dazu benutzen könne, spaltbares Material für den Einsatz in einer Atombombe zu produzieren. Dies wies die russische Seite stets zurück.