„World Food Moscow 2014“: Leere Obstkisten wegen Sanktionen

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Moskau – Die seitens der USA und der EU verhängten Sanktionen gegen Russland treiben kuriose Blüten. Auch auf der weltgrößten Lebensmittel-Fachmesse, die derzeit in Moskau ihre Zelte aufgeschlagen hat. Als Zeichen des Protests präsentierten einige europäische Aussteller offenbar leere Obstkisten an ihren Ständen.

In den vergangenen 23 Jahren ihres Bestehens hat sich die „World Food“, eine Fachmesse rund um Lebensmittel, zum wichtigsten Dreh- und Angelpunkt der Lebensmittelindustrie herauskristallisiert. Letztes Jahr erreichten über 1.500 Aussteller aus fast 70 Ländern rund 26.000 Fachbesucher aus aller Welt. So hatten sich das die Veranstalter, sowie die Anbieter in Moskau auch für das Jahr 2014 wieder vorgestellt, allerdings haben sie die Rechnung ohne die wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland gemacht, die seit einiger Zeit in Kraft getreten sind.

Vor allem die europäischen Aussteller haben sich das Ganze anders vorgestellt. Außereuropäische Ausstellernationen, wie zum Beispiel Ägypten, Argentinien, China und Brasilien, haben ihre Angebotsfläche um ein Wesentliches vergrößert und reiben sich nun die Hände. Die Länder, die gezwungen wurden, sich an den Sanktionen zu beteiligen beklagen diese Maßnahmen hingegen bereits bitterlich. Für viele wurde dadurch an der Existenzschraube gedreht.

Nun haben sich einige der europäischen Aussteller auf der „World Food Moscow 2014“, die heute zu Ende ging, eine besondere Form des Protests einfallen lassen. Wie das russische Nachrichtenportal „RT“ heute vermeldete, präsentierten sie einfach demonstrativ leere Verpackungseinheiten an ihren Ständen. Ein belgischer Erzeuger ging demnach mit einem Schild in die Offensive, auf dem geschrieben stand: „Diese Schachtel ist dank der Heuchelei der USA und der Dummheit Europas leer.“ Ein polnisches Unternehmen konnte sich scheinbar zumindest noch dazu durchringen, lieblos eine handvoll Äpfel auf seinen Tischen zu drapieren.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.