Wolgograd: Sprengstoffsuche, Trauer und Krankenhaus-Entlassungen

Sicherheitstruppen durchkämmen die Stadt - Opfer aus Krankenhäusern entlassen - feierliche Beisetzung Sicherheitsmann

In Wolgograd ist auch vier Tage nach dem verheerenden Bombenanschlägen auf den öffentlichen Verkehr keine Normalität eingekehrt. Nach Berichten lokaler Onlinemedien konnten jedoch bereits sieben leichter verletzte Terroropfer die örtlichen Krankenhäuser wieder verlassen. Die Opfer seien auch psychisch in einer guten Verfassung und trotz der traumatischen Erlebnisse weder panisch noch zerrüttet. Dennoch blieben sie unter ambulanter Beobachtung. Noch 44 Menschen sollen nun in Folge der Terrorakte laut der Wolgograder Onlinezeitung v1.ru in Krankenhäusern sein.

Währenddessen wurde der Sicherheitsmann Makowkin, der mit seinem Eingreifen an der Sicherheitsschleuse schlimmere Folgen des Terroranschlags am Bahnhof  verhindert hatte, aber ebenso zu Tode kam, mit militärischen Ehren beigesetzt. Er war am Eingang auf die ihm verdächtig wirkende Selbstmordattentäterin zugegangen, um sie zu kontrollieren. Diese löste dann bereits dort die Bombe aus, anstelle in dem zu dieser Zeit überfüllten Wartesaal hinter ihm, in dem die Zahl der Todesopfer wesentlich höher gewesen wäre. Für die Opfer und Hinterliebenen wurde nach dem normalen Spendenkonto nun auch ein Sonderkonto für die Spende von Fremdwährungen – zumeist Euro und US-Dollar – eingerichtet.

Auch die nach dem Attentaten in die Region verlegten Polizei- und Sicherheitstruppen (russland.TV berichtete) waren umfangreich tätig. Experten mit Suchhunden untersuchten nahezu 6.000 Objekte, darunter Bushaltestellen, Bahnstationen sowie Wohnungen, Dachböden, Keller, verlassene Autos und Motorräder in der Stadt nach weiteren Sprengsätzen. De Bevölkerung wurde nochmals aufgefordert, verdächtige Beobachtungen der Polizei zu melden.

Dreieinhalbtausend Sicherheitsleute patroullieren in der Stadt und sollen der Bevölkerung wohl ein Gefühl von Sicherheit geben. Infolge zahlreicher Personenkontrollen kam es auch zu Festnahmen, die jedoch nach den uns vorliegenden Meldungen nicht im direkten Zusammenhang mit den Terroranschlägen stehen. Es wurden 85 illegale Waffen beschlagnahmt – auch nichts außergewöhnliches bei einer Suchaktion mit diesem Umfang in Russland, der auch in anderen Nicht-Bombenstädten dieses Ergebnis gebracht hätte. Illegaler Waffenbesitz ist in Russland allgemein weit verbreitet.

Roland Bathon – russland.RU Wolgaregion und Ural; Foto: gemeinfrei