Wohnung für Fahne – die paralympische Posse

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Mut zahlt sich aus. Das erfuhr der weißrussische Sportfunktionär, der bei den diesjährigen Paralympics in Rio demonstrativ die russische Fahne trug. Für seine „Heldentat“ bekam er nun im Gegenzug eine Wohnung in Moskau geschenkt.

Bei der Eröffnungszeremonie der Paralympischen Sommerspiele Anfang September in Rio de Janeiro trug der weißrussische Sportfunktionär Andrej Fomotschkin, trotz massiver Drohungen durch das IPC, dem Internationalen Paralympischen Komitee, die russische Trikolore ins Maracana-Stadion. Fomotschkin demonstrierte auf diese Art gegen den Komplettausschluss des russischen Teams wegen der insgesamt dubiosen Doping-Affäre vor den Spielen. Dem Funktionär wurde damals die Fahne gewaltsam entrissen und ihm selbst entzog man daraufhin die Akkreditierung für die Veranstaltung.

Seinen eigenen Worten zufolge bereute Fomotschkin seine Aktion überhaupt nicht. „Der Chef des Internationalen Paralympischen Komitees, Philip Craven, betonte in seiner Rede bei der Eröffnungszeremonie, dass wir alle ein Teil dieser Welt seien. Ich begreife aber nicht, warum die Russen kein Teil der gestarteten Paralympischen Spiele sein sollen“, so der mutige Aktivist, der im Übrigen seine „Heldentat“ nicht überbewertet sehen möchte.

„Die Helden sind in dieser Situation unsere Sportler, die trotz allem beschlossen haben, ihre Freunde zu unterstützen“, sagte er. „Im Großen und Ganzen sind natürlich alle Paralympiker Helden, die täglich ihre Erkrankungen überwinden und beweisen, dass das Unmögliche möglich ist“. Keine Frage, dass auch der russische Präsident Wladimir Putin seine schützende Hand über seine Paralympioniken ausbreitet. „Gegen Sie wurde unsportlich gespielt“, sagte Putin seinen Sportlern bei einem Empfang im Kreml und schickte sich an die Entscheidung des IPC als „unfair, feige und heuchlerisch“ zu geißeln.

Nun vermeldete die Nachrichtenagentur „TASS“, dass laut Sprecherin Maria Sacharowa vom Außenministerium in Moskau der in Russland ruhmreich gefeierte Andrej Fomotschkin doch noch zu seinen Ehren gekommen ist. Der 53-Jährige, der das Olympia-Zentrum der weißrussischen Leichtathleten leitet, wurde ob seiner ruhmreichen „Heldentat“ von einem namentlich nicht genannten Spender beschenkt. Dank der großzügigen Gabe seines Gönners darf Fomotschkin seit Kurzem eine Wohnung in einem Moskauer Neubau sein Eigen nennen.

[mb/russland.RU]

 

 

 

 

 

 

 

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.