Wohin steuert die Krim? – Nach Russland!

Foto: commons.wikimedia/Башкатов Віталій CC BY-SA 3.0Foto: commons.wikimedia/Башкатов Віталій CC BY-SA 3.0
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Was in politischer Hinsicht schon längst der Fall ist, wurde jetzt auch geowissenschaftlich untermauert. Tatsächlich bewegt sich die Halbinsel im Schwarzen Meer immer weiter Richtung Russland. Bis sie dort ankommt wird allerdings noch eine Zeit vergehen. Der Bau der Krim-Brücke ist daher vorerst nicht gefährdet.

Nein, ehrlich – wir machen keine Späße. Die durchaus interessante Meldung, dass die Halbinsel beständig immer näher zu Russland rückt, ereilte uns heute im Laufe des Tages. Der erste Gedanke galt der, sich gerade im Bau befindlichen, Krim-Brücke. Sollte sie etwa eher fertig sein als angenommen? Dann stellte sich jedoch alsbald heraus, dass es sich um Forschungsergebnisse handelt, die durch Wissenschaftler des Instituts für angewandte Astronomie an der Russischen Akademie der Wissenschaften belegt werden konnten.

Mit der, für einen Geologen atemraubenden, Geschwindigkeit von 2,9 Millimetern pro Jahr drifte die Krim dem russischen Festland entgegen. Dies teilte der Institutsdirektor Alexander Ipatow auf einer Pressekonferenz den erstaunten Anwesenden mit. „Die Krim bewegt sich tatsächlich in nordöstliche Richtung“, bekräftigt Ipatow. „Als die Halbinsel an Russland angegliedert wurde, fragten wir uns: Wohin steuert die Krim?. Und wir haben herausgefunden, dass sie auf Russland zusteuert“, scherzte der Wissenschaftler.

Herausgefunden habe man den Wanderweg der Schwarzmeer-Halbinsel mittels der vom Institut eigens erfundenen Sonde „Kwasar-KWO“, die in internationale astronomische, geodätische und astrophysische Forschungsprojekte integriert ist. Der Radioteleskop-Komplex „Kwasar-KWO“, installiert an der Südspitze der Krim, sendet mittels eines Hochgeschwindigkeits-Glasfaserkabels die Ergebnisse von drei Radioteleskopen mit je 32 Metern Durchmesser auf einer Datenautobahn an ein Kontrollzentrum. Dort werden die eingehenden Messergebnisse gesammelt und ausgewertet. Die drei Anlagen ergeben durch ihre Zusammenarbeit ein gigantisches Radioteleskop.

Bewegungen von Teilen der festen Erdkruste stellen für die Wissenschaft kein unbedingtes Novum dar. Die Drift der Kontinente, zu der auch diese allmählichen Verschiebungen zählen, wurde durch Alfred Wegener bereits im Jahre 1915 dokumentarisch aufgenommen. Seit 1960 wird zudem an der, ebenfalls mit der Kontinentalverschiebung eng verknüpften, Plattentektonik geforscht. Demnach lässt sich, stark vereinfacht, beweisen, dass das Schweizer Matterhorn nicht anderes als die nördliche Spitze Nordafrikas darstellt. Bei den immerwährenden dynamischen Kräften, die auf den Planeten einwirken, bedeutet das auch, dass sich der Subkontinent Indien fortwährend unter das Tibetische Hochland schiebt.

Angeschoben durch den Afrikanischen Kontinent, würde dies bedeuten, dass die Krim tatsächlich eines Tages mit dem russischen Festland verwachsen sein wird. Jedoch, darauf zu warten lohnt sich jetzt auch nicht unbedingt, da die geschätzte Zeitspanne bis zur endgültigen Wiedervereinigung, bei unvermindertem Tempo der Drift, rund 50 Millionen Jahre betragen würde. So scheint es dann vorerst doch angeratener, auf die endgültige Fertigstellung der Krim-Brücke im Jahr 2018 zu warten.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.