Wo steckt Putin?

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[Eine Glosse von Michael Barth] – Moskau – Der Präsident ist weg! Wo steckt Putin? Ja wo ist er denn nur? Das Gemunkel wird immer größer, die Pro- und Kontrastimmen immer lauter. Ja aber wo ist er denn nun? Offengestanden, wir wissen es auch nicht. Eine Woche hat man nun schon vom russischen Präsidenten nichts mehr gesehen. Auch nichts gehört. Ist es ein perfider Trick oder steckt da mehr dahinter?

Listig war er ja schon immer, dieser Wladimir Wladimirowitsch. Als KGB-Agent hat er gelernt andere die Suppe auslöffeln zu lassen, die er ihnen eingebrockt hat. Seinen Gegnern, seinen Widersachern und dem ganzen unbeugsamen Rest. Sollten die jetzt gar den Löffel ausgepackt haben, damit er seinen abgibt? Quasi der Präsidentenlöffeltausch? Die Vermutungen schießen ins Kraut. Was wahr ist und was nicht, vermag niemand zu beurteilen. Auch wir nicht, da sind wir ehrlich.

Alles scheint zurzeit möglich. Hat sein Hund Scharlach und Herr Präsident hat sich deshalb eine kleine Auszeit genommen? Ist er erkrankt, liegt mit heftigem Fieber im Bett? Hat sich Wladimir Putin einen präsidialen Urlaub genehmigt? Ist der dann überhaupt abgesegnet? Ist er am Ende gar nicht mehr zurechnungsfähig? Sie sehen selbst, die Fragen türmen sich und wachsen dem Journalisten, der nach der Wahrheit, und nichts als der reinen wahren Wahrheit sucht, allmählich über den Kopf.

Jetzt liegt natürlich nahe, auch seine Kritiker mit einzubeziehen. Ist Wadim tot? Oder nur schwer verletzt? Am Ende doch noch über die magere russische Opposition gestolpert? Mundtot, mausetot, scheintot? Vielleicht hat er sich ja auch einfach in Terry Pratchets Scheibenwelt weggemacht, dem Parallelluniversum eines begnadeten britischen Autors, der erst vor kurzem… ja halt eben auch seinen Löffel abgegeben hat. Dort werden ja schon viele vermutet. Alle die, die zu ihren Lebzeiten gehörig für Aufruhr und Diskussion gesorgt haben. Viel Feind und viel Ehr’ hatten und dann plötzlich von der Bildfläche verschwunden waren.

Wenn, dann war das garantiert die CIA. Oder auch der Mossad, vielleicht auch der britische MI 5. Wenn gar nichts mehr weiterhelfen will, schieben wir es halt James Bond in die Schuhe. Oder Chuck Norris, der ist für solche Jobs auch hervorragend geeignet. Nun Sie sehen selbst, Fragen über Fragen. Warum fragen wir uns überhaupt? Und Sie sich natürlich auch. Das ist ja Ihr gutes Recht. Nun ganz einfach. Denn wenn etwas Licht in diese ganze Geschichte hineingenommen ist, werden Sie natürlich von uns, also von russland.RU, zeitnah davon erfahren. In der Zwischenzeit wünschen wir Ihnen ein munteres Grübeln und ein schönes Wochenende…

P.S.: Sollte ihn in der Zwischenzeit jemand finden, möge er uns dann bitte bescheid geben?

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.