WM 2018: Messi schießt sich nach Russland

Foto: TV-Screenshot
image_pdfimage_print

„La Pulga“, der Floh, rettete für Argentinien im letzten Moment, was noch zu retten war. Im Alleingang bewahrte er den zweimaligen Weltmeister aus Südamerika vor der bitteren Schmach, die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 nur vor dem Fernsehgerät miterleben zu dürfen. Ein Galaauftritt der Extraklasse. Die Qualifikation zur WM in Russland bot gestern Abend jedoch noch weitere Schmankerl.

Sogar Bono und die Rockband U2 verschoben ihr Konzert im Estadio Unico in La Plata, um die Argentinier das von der argentinischen Presse zum „Herzinfarktfinale“ hochstilisierte WM-Qualifikationsspiel auf den Leinwänden zu Ende sehen zu lassen. In der dünnen ecuadorianischen Luft auf knapp 3.000 Meter Höhe mussten die „Gouchos“ noch einmal alles geben, zu was sie fähig sein können, solange nur ein Spieler funktioniert wie ein Uhrwerk – Lionel Messi. Es lag an seiner Extraklasse, dass die Partie zu einer One-Man-Show geriet.

Ecuador begann das Spiel mit dem zweitschnellsten Tor in der Geschichte der südamerikanischen WM-Qualifikation, nach gerade einmal 37 Sekunden. Ab der 12. Spielminute jedoch gab es kein Halten mehr für den argentinischen Ausnahmespieler Messi. Er erlöste sein Team mit drei Treffern mehr oder weniger im Alleingang. Des weiteren qualifizierten sich heute Nacht, nach mitteleuropäischer Zeit, Uruguay mit einem torreichen 4:2 gegen Bolivien sowie Kolumbien, das sich auf den letzten Drücker noch mit einem 1:1 Unentschieden in Peru gegen den eigentlichen Favoriten Chile durchsetzen konnte. Neben den bereits qualifizierten Brasilianern ist die Südamerika-Gruppe damit abgeschlossen.

Auch in Europa ist die Qualifikation für das russische Abenteuer im nächsten Jahr beendet. Ein weiterer Superstar der jüngeren Fußballgeschichte betritt nach einem Krimi-Spiel ebenfalls den Rasen der WM 2018. Die von Christiano Ronaldo angeführten Portugiesen feierten gegen die Schweiz mit einem hart erkämpften 2:0 in Lissabon ihre fünfte Teilnahme in Folge an einem WM-Endrundenturnier. Ein Spaziergang war dies wahrlich nicht. Bedanken müssen sich die Mannen der „Seleção” bei ihrem Schlussmann Rui Patricio, der in der Partie hielt, was kaum zu halten war.

Als letzter noch ausstehender Gruppenerster Europas konnte sich Frankreich gegen Weißrussland qualifizieren. Mit einem 2:1-Erfolg gegen die nun Gruppenletzten Osteuropäer hätte „Le Bleu“ allerdings auch verlieren können, der erste Platz in der Gruppe A der Europa-Qualifikation war ihnen bereits vor dem Spiel nicht mehr zu nehmen. Dementsprechend entspannt spielten die Franzosen schon in der ersten Halbzeit ihre beiden Tore heraus. Der Ehrentreffer der Belarussen war somit lediglich ein kosmetischer Farbtupfer. Die größten Verlierer jedoch waren die Niederlande, denen gegen Schweden ein haushoher Sieg mit unwirklichen sieben Toren Unterschied gelingen hätte müssen. Das erspielte 2:0 konnte da am Ende auch nichts mehr richten.

Vom großen Verlierer wieder zurück zu den großen Gewinnern dieser Qualifikation zum Fußball-World Cup 2018 in Russland. Denn auch in der Nord- und Mittelamerika-Gruppe gibt es eine Sensation zu vermelden: Panama gesellte sich gestern zu den bereits feststehenden Teilnehmern Mexiko und Costa Rica. Unbeschreiblich war der Jubel, der durch die Straßen des panamerikanischen Landes hallte, als Mittelfeldspieler Roman Torres in der 88. Spielminute mit dem 2:1 gegen den Nachbarn Costa Rica das nicht Fassbare wahr werden ließ. Auf den letzten Drücker sicherten sich die „Los Canaleros“ mit einem Vorsprung von fünf Toren vor Honduras den begehrten dritten Platz, der ihnen die erste WM-Teilnahme in ihrer Geschichte sicherte.

[mb/russland.NEWS]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.