WM 2018: Kaliningrad – die ewige Baustelle

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Kaliningrad – Allerorts wird in ganz Russland fleißig Hand angelegt, um eine glanzvolle Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2018 auf die Beine zu stellen. Stadien werden um- oder neugebaut, soweit läuft alles nach Plan. Jedoch, da gibt es eine prekäre Ausnahme.

In Kaliningrad, der westlichsten Austragungsstätte der WM, läuft überhaupt nichts nach Plan. Da hat man noch nicht einmal mit dem Stadionbau begonnen. Angeblich sei man völlig im Zeitplan, so wird aus der Exklave beteuert. Das wird so aber schon seit Jahren beteuert. Und langsam läuft die Zeit davon. Aktuellen Gerüchten zu Folge soll nun der Baubeginn auf das Frühjahr 2016 festgelegt worden sein.So hörte man das inzwischen Jahr für Jahr. Eben seitdem Kaliningrad als Austragungsort feststand. Und das war bereits Ende September 2012.

Nun, und seitdem wird geplant, diskutiert, die Aufträge vergeben, die Aufträge entzogen und man ist froher Dinge in Erwartung eben dieser WM. Ein gutes Jahr verging allerdings schon alleine damit, einen geeigneten Standort zu finden. Fündig wurde man schließlich auf einem sumpfigen Stück Land zwischen altem und neuem Pregel, im Volksmund „Insel“ genannt. Nachdem diese, man könnte sagen elementare, Frage geklärt war, begann die Suche nach einem Investor. Anfangs standen sie noch Schlange.

Enorme Logistik für einen riesigen Sandkasten

Diese Schlange dünnte sich im Lauf der Zeit jedoch immer mehr aus, als nach und nach bekannt wurde, dass so mancher davon entweder schon bankrott war oder kurz vor der Insolvenz stand. Etliche andere hatten von vorn herein nichts anderes als dubiose Geschäfte im Sinn. Irgendwie schien der „Lex WM-Stadion“ auch im Ausland Mitleid zu erregen. Westeuropäische Planer und Bauträger boten sich an, den Stadionneubau in der Domstadt zu unterstützen und voranzutreiben.

Dann begann 2015 endlich die Phase der endlosen Logistik, wie dem sumpfigen Untergrund beizukommen sei. Als Lösung kam nichts anderes in Frage, als massive Stempel in den Sumpf zu treiben, die das mächtige Stadion tragen sollen. Die Versuche, die angestellt wurden, erwiesen sich als positiv und eine Realisierung des Baus war somit machbar. Nur gab es dann keine Stempel. Bei einem Besuch der Baustelle durch russland.RU im Sommer 2015, bot sich ein dementsprechend trostloses Bild. Zugegeben, es zeigte uns jedoch den größten Sandkasten, der uns jemals untergekommen war.

Denn, bisher seien 4,5 Millionen Kubikmeter Sand aufgeschüttet worden, so verkündet es ganz stolz der der Leiter der Bauabteilung, Pawel Sarkisow. Seine Direktion ist quasi die Exekutive für die Vorbereitung der Weltmeisterschaft. Guter Dinge ist er ja schon, der Herr Bauleiter. Die örtlichen Baufirmen zeigen einen „hohen patriotischen Einsatz“ und es laufe bisher alles nach Plan. Der sieht nämlich vor, ab März mit der Montage der Metallkonstruktion für die Arena zu beginnen. Dazu müssten bis dahin lediglich 11.000 Stützpfeiler binnen drei Monaten eingerammt werden.

Planlose Pläne und ein Machtwort

Soweit jedenfalls der „Plan Sarkisow“. Was uns allerdings ein wenig planlos macht, ist eine Aussage des Bauoptimisten, dass bisher noch keine Verträge für den Bau unterschrieben seien und auch noch keine Kalkulation für das neue Stadion erstellt worden wäre. Der Kaliningrader Gouverneur Zukonow habe zwar schon eine Projektexpertise abgegeben, aber „eigentlich hätte diese schon vor einer Woche beurteilt worden sein müssen!“, meldete sich nun der Hauptverantwortliche dieser Weltmeisterschaft erzürnt zu Wort.

Der, wenn man so will, „Godfather“ dieses ehrgeizigen russischen Projekts „WM 2018“, Sportminister Witali Mutko, schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, wenn er betont: „Irgendwie geht nichts vorwärts!“. Im Unterton meint man herauszuhören, es stehe schlecht um die Angelegenheit des Stadions in Kaliningrad. Denn, bis zum 5. Dezember muss entschieden werden. „Bis zum 5. Dezember müssen wir in der Regierung die Anordnung für die Finanzierung des Stadions vorlegen“, klagt Mutko.

„Wir haben das Projekt nochmals angeschaut“, so der Cheforganisator. „Wieder haben wir der Region und auch dem Projektentwickler heftige Vorhaltungen gemacht und gefordert, Unzulänglichkeiten zu beseitigen. Es ist eine schwere Arbeit diesem Projekt eine endgültige Beurteilung zu geben!“ Der technische Teil sei ja fast fertig. „Wir sprechen hier nur noch über Details und über die Kalkulation. Bis 5. Dezember müssen wir das wissen. Danach greife ich dann ein, wir werden eine Prüfung sowie eine öffentliche Anhörung durchführen und so weiter und so weiter“, wetterte der Sportminister.

Jetzt wurde die leidige Aufgabe, in Kaliningrad endlich in die Gänge zu kommen, an den Vizepremier Igor Schuwalow weitergereicht. Dieser hat knallharte Aufgaben gestellt bekommen und fordert nun mehr als deutlich, dass endlich mit der Arbeit begonnen wird. Ansonsten schaut es zappenduster aus, für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Kaliningrad. Eine Veranstaltung, die der Region eigentlich ganz gut zu Gesicht gestanden hätte.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.