WM 2018: „Huh“ Island – und der ganze Rest

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 hat ihre erste Sensation schon bevor sie überhaupt angefangen hat: Island hat sich qualifiziert! Sie waren das Überraschungsteam schlechthin bei der letzten EM in Frankreich, die Wikinger aus dem hohen Norden Europas, die Isländer. Nun fahren sie auch noch nach Russland. Ein Fußball-Märchen geht in die Verlängerung.

Von wegen Eintagsfliege – gegen Kosovo zeigten all diese Sigurdssons und Gudmundssons in Rejkjavik was sie wirklich drauf haben, diese unerschrockenen Nordmänner. Nahtlos knüpfte Island da an, wo es den großen Fußball-Zirkus 2016 im Achtelfinale vorübergehend verlassen hatte. Mit einem 2:0 sicherten sich die Hausherren den ersten Platz in ihrer Europa-Gruppe I der WM-Qualifikation und verwiesen somit unter anderem die Türkei und die Ukraine auf ihre Plätze. Nun könnten sie die Engländer, die sicherlich noch mit Entsetzen an ihre verlorene Schlacht in Frankreich zurückdenken, auf ein Neues ärgern. Russland und die Welt darf sich mit dem vermeintlichen „Fußballzwerg“ Island auf eine kampfbetonte Mannschaft und vor allem deren enthusiastische Fans freuen.

Sicher mit dabei sind seit Sonntagabend auch die Polen, die sich mit einem 4:2 gegen den Balkan-Staat Montenegro durchsetzen konnten. Dank eines überragenden Robert Lewandowski, Mittelstürmer in Diensten Bayern Münchens, krönten sich die Biało-Czerwoni vor knapp 60.000 Zuschauern in Warschau mit einem turbulenten Qualifikationsabschluss. Nachdem die Polen nach einer 2:0 Führung begannen fahrlässig zu werden, wendeten sie die Partie mit einer wilden Schlussphase noch zum mehr als deutlichen Sieg. Für die Polen ist dies, nach langer Abwesenheit seit der WM 2006 in Deutschland, mittlerweile schon die achte WM-Teilnahme.

Auch in Südost-Europa konnte Vollzug vermeldet werden. Als Erster der Europa-Gruppe D fährt Serbien nach einem mageren 1:0 gegen Georgien mit zu den slawischen Seelenverwandten in Russland. Bis zur 75. Spielminute mussten sich die „Adler“ gedulden, ehe sie Aleksandar Prijovoc von PAOK Thessaloniki erlöste. Nach den Wirren im Osteuropa der 90er-Jahre konnten sich die Serben als ehemaliger Rumpf Jugoslawiens ab 2008 zwar wieder im Weltfußball etablieren, fiel allerdings weniger durch erfolgreiche Spiele, als durch negative Schlagzeilen wegen Ausschreitungen ihrer Anhänger auf.

Während Island den Rekord als Land mit der geringsten Einwohnerzahl (334.000) unter den Teilnehmern der Fußball-WM 2018 hält, sicherten sich die Ägypter den Altersrekord. Sage und schreibe 45 Lenze hat der Torhüter der „Pharaonen“, Essam El Hadary, in Russland dann bereits hinter sich gebracht und ist unangefochten der älteste Spieler des Turniers. Die letzte Teilnahme bei einer WM für das Land am Nil liegt inzwischen 27 Jahre zurück. Es war die WM 1990 in Italien und damals Ägyptens zweite Teilnahme an dem Weltturnier. Dementsprechend grenzenlos und frenetisch war der Jubel der Nation, als Liverpools Mohamed Salah im Borg El Arab Stadium in Alexandria gegen den Kongo mit dem 2:0 in der Nachspielzeit Ägypten per Foulelfmeter nach Russland katapultierte.

[mb/russland.NEWS]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.