Wladimir Putins Botschaft an den Westen – Ein Zeitfenster für Alternativen

Waldai Präsident Putin Quelle kremlin.ru
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[Von Kai Ehlers] Wladimir Putins Rede auf dem Waldai-Forum in Sotchi am 24. Oktober 2014 war wohl der bisherige Höhepunkt verbalen Kräftemessens im Angesicht der gegenwärtigen globalen Krise. (1) Es war ein beachtlicher Auftritt mit dem Anspruch, eine globale Alternative zu präsentieren. Michael Gorbatschow erklärte, die Rede habe ihn erschüttert, und versuchte der deutschen Regierung als deren Ehrengast zum Jahrestag des Mauerfalls wegen der von ihr betriebenen gegenwärtigen russlandfeindlichen Politik ins Gewissen zu reden. Viele vom Putin-Bashing der zurückliegenden Monate ermüdete Menschen fühlen sich durch die Rede ermutigt. Mit seinem Blitzbesuch bei Fidel Castro am Rande der erfolgreichen Gründung einer eigenen Entwicklungsbank seitens der BRICS-Staaten setzte Putin ein bemerkenswertes Signal. Aber natürlich gibt es auch Kommentatoren, die sich mehr denn je in ihrer Abscheu vor dem „Machtmenschen“ Putin bestätigt sehen. Der Handschuh ist geworfen. Auf dem G20-Gipfel, welcher der Waldai-Konferenz folgte, wurde Putin als „einsamer Paria“ stigmatisiert. (2) Neue Sanktionen sollen auf den Weg gebracht werden. Schauen wir also genauer hin.

In der Waldai-Rede geht es, wie schon bei früheren Reden Putins, um den Übergang von der nach dem Ende der Sowjetunion entstandenen unipolaren in eine multipolare Weltordnung, um die Rolle des neuen Russland in dieser Welt, um neue globale Kräftekonstellationen. Die Rede ist Ausdruck des aktuellen Krisenverlaufs: der Umsturz in Kiew, die Krimkrise, der Bürgerkrieg in der Ukraine, der Sanktionskrieg des Westens gegen Russland. Dazu kommen die Auftritte Barack Obamas, in denen dieser den globalen Führungsanspruch der USA bekräftigt: so vor Kadetten der Offiziersschule in Princetowm im Mai dieses Jahres, wo er unter dem Tenor „We are the hub“ (Wir sind die Nabe) die Bereitschaft der USA zur militärischen Verteidigung ihrer Interessen an jedem Ort der Welt zu jeder Zeit bekräftigte (3). Zuletzt auch vor der UNO, als er die Völker aufrief, sich mit den USA gegen die hauptsächlichen Bedrohungen unserer Zeit zusammenzuschließen, und als diese Bedrohungen nannte er in einem Atemzug das „aggressive Russland“, das die bestehende Völkerordnung verändern wolle, die Ebola-Seuche und den terroristischen „Islamischen Staat“. (4) Dieser kurze Abriss soll hier genügen.

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Über den Autor

Kai Ehlers
Selbstständiger Forscher, Buchautor, Presse- und Rundfunkpublizist. Mit Vorträgen, Seminaren, Workshops und Projekten bei Bildungsakademien, freien Trägern, politischen Gruppen in Deutschland und Russland tätig. Schwerpunkt liegt auf den Wandlungen im nachsowjetischen Raum und deren lokalen wie auch globalen Folgen.