Witali Petrow am Norisring – dabei sein ist alles

Nürnberg – Wie jedes Jahr gab sich die DTM-Elite wieder ein Stelldichein auf einer der legendärsten Automobil-Rennstrecken Deutschlands, dem Norisring. Neu mit am Start, der russische Tourenwagenfahrer Witali Petrow auf seinem Mercedes-Boliden. Um es vorweg zu nehmen, er startete als letzter und fuhr als viertletzter über die Ziellinie.

Der Nürnberger Norisring ist, das darf getrost gesagt werden eine Legende. Ein Stadtkurs der sich anspruchsvoll um das ehemalige Reichsparteitagsgelände schlängelt und den Fahrern einiges an Können und Konzentration abverlangt. Im Jahr 1947 wurde auf dem Kurs das erste Rennen ausgetragen. Waren es die ersten zehn Jahre noch Motorradrennen, übernahmen ab Mitte der 60-er Jahre Automobile die Strecke. Anfangs fuhren exotische Sportwagen-Prototypen um den begehrten Platz auf dem Podest und ab 1990 begann die Epoche der Tourenwagen. Heute ist der Norisring ein fester Bestandteil der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft.

Etliche Rennfahrer mit Rang und Namen bretterten bereits über diese Piste. Für zwei endete ihr Rennen tödlich. Eine weitere Besonderheit des Norisring-Wochenendes ist bislang auch jedes Jahr das abonnierte Kaiserwetter gewesen. Lediglich drei der letzten vier Rennen fanden bei Regen statt. Leider auch wieder vergangenes Wochenende zur 55. Auflage des Highlights im Motorsport. Strömender Regen machte bei knapp 150 Stundenkilometern eine klare Sicht aus dem Wageninneren nahezu unmöglich und zwang Fahrer und Teams zu kniffeligen Fragen ob der Bereifung und der Taktik.

Die „Rakete von Wyborg“ debütiert in der Noris

In diesem Jahr zum ersten Mal mit dabei war Witali Petrow. Der knapp Dreißigjährige aus Wyborg begann seine Motorsportkarriere 2001, wie könnte es für einen Russen anders sein, mit dem Lada-Cup. Über diverse Kleinwagenmeisterschaften und die GP2-Serie gelang ihm schließlich der Sprung in die Königsklasse des Motorports, der Formel 1. Sein Debüt gab er 2010 beim Grossen Preis von Bahrain auf Renault. 2011 gelang ihm in dieser Klasse sein größter Erfolg, er fuhr beim Auftaktrennen in Australien auf den dritten Platz. Ab 2014 sattelte er um und bekam bei Mercedes einen Vertrag für die DTM.

Nach dem Qualifiing am Norisring landete Witali Petrow zunächst einmal an der letzten Stelle des 23-köpfigen Starterfelds. Aufgrund starker Regenfälle wurde das Rennen erst nach drei Runden hinter einem Safetycar freigegeben. Gleich in der ersten Runde musste Petrow dann Bekanntschaft mit den tückischen „Strassen“-Verhältnissen machen, er legte zum Einstand einen saloppen Dreher auf den Asphalt. Das Rennen begann. Etliche seiner Kollegen kämpften mit den gleichen Schwierigkeiten, die Piste erwies sich als hinterhältig. In Runde sieben ließ Petrow an den Boxen schliesslich andere Reifen aufziehen.

Die 2,3 Kilometer lange Strecke war schwierig zu fahren. Nachdem der Regen aufgehört hatte, verließen viele der Fahrer die Idealspur, da die Regenreifen auf der inzwischen abgetrockneten Linie keinen perfekten Grip mehr fanden. In der 21. Runde kollidierten Petrow und Müller bei einem Überholvorgang. Der Russe fiel wieder auf den 22. Platz zurück und stand daraufhin unter Beobachtung der Rennleitung. Fünf Runden später kassierten Petrow und Müller wegen Missachtung blauer Flaggen eine Durchfahrtstrafe.

So richtig aggressiv angreifen konnte die „Rakete von Wyborg“, so sein Spitzname, das vor ihm liegende Fahrerfeld aus seiner hinteren Position nicht. Zum einen war die Konkurrenz nicht von schlechten Eltern und zum anderen mochte man den Eindruck gewinnen, das Witali Petrow noch nicht ganz auf seinen Mercedes, einem vier Liter AMG C-Coupé mit 500 PS, eingefahren ist. Bei den vorhergehenden Läufen belegte der Wyborger jeweils einen 17. Rang, hier nun auf dem Norisring fuhr er letztendlich als 19. über die Ziellinie. In der Gesamtwertung steht somit Petrow vorerst noch mit leeren Händen da, Null Punkte sprechen Bände.

Allerdings kann der Russe schon übernächstes Wochenende sein Können in seinem Heimatland unter beweis stellen, denn vom 11. bis 13. Juli, wird die DTM dann ihre Zelte vor den Toren Moskaus aufschlagen. Die Aufmerksamkeit des Publikums dürfte ihm dort gewiss sein.

[mb/russland.RU]

Foto: DTM media service

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.