„Wir sind keine Schlichter“. Allen Sanktionen zu trotz entwickelt sich die Städtepartnerschaft zwischen Moskau und Düsseldorf prächtig

Thomas Geisel SPD Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf - Author 	Michael Gstettenbauer -  Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 InternationalThomas Geisel SPD Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf - Author Michael Gstettenbauer - Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International
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Sein Publikum im Deutsch-Russischen Wirtschaftsclub begrüßte der Oberbürgermeister von Düsseldorf Thomas Geisel mit einem Satz auf Russisch. Seit mehr als 20 Jahren verbindet Düsseldorf und Moskau eine Städtepartnerschaft, aber einen russischsprachigen Oberbürgermeister gab es noch nie. Russisch habe er während seines Studiums in Amerika von einem ehemaligen CIA Agenten gelernt, der früher den sowjetischen Funk abgehört hat. Auch eine seiner Töchter lerne jetzt in der Schule Russisch. Soviel Russischexpertise tut auch der Städtebeziehungen gut.

Im April war Thomas Geisel auf einer Reise in Moskau sehr vom freundlichen und offenen Empfang angetan. Auch persönlich war es „eine sehr eindrucksvolle Reise“, denn das war nicht sein erster Besuch in Russland. Zum ersten Mal ist er 1993 mit dem Zug von Berlin nach Moskau und nach St. Petersburg gereist. „Damals war es ein Land, wo die Staatsmacht nicht so viel zu sagen hatte“, erinnert sich Geisel. „Jetzt 20 später war ich sehr überrascht, was sich alles geändert hat und was alles entstanden ist“. Nicht mal der angeblich so schlimme Straßenverkehr konnte die Reise trüben. Und das Wetter war auch schön.

Auch die abgekühlten Beziehungen zwischen Russland und Deutschland stehen der Freundschaft zwischen beiden Städten nicht im Wege. Bei seinem Besuch in Moskau habe der deutsche Botschafter ihn ausdrücklich ermutigt, die Städtepartnerschaft zu pflegen, sagt Geisel. Es sei im Interesse der deutschen Außenpolitik die Beziehung auf der kommunalen Ebene zu stärken. Man sei kein Schlichter oder Richter in diesem Konflikt, und macht keine große Politik. Wichtig ist, dass die Kontakte nicht abreißen. So sehen das auch die deutschen Unternehme in Moskau, mit denen sich der Düsseldorfer Oberbürgermeister traf. „Keiner hat die Absicht, sich von Moskau zurückzuziehen“.

Düsseldorf hat in seinem Wettbewerb um die Gunst der russischen Hauptstadt auch „mächtige Rivalen“ wie z.B. Bayern. Aber das kleine Düsseldorf braucht sich nicht zu verstecken. Denn sein Bruttosozialprodukt lässt sich mit einigen Ländern messen. Es kommt nicht auf die Anwohnerzahl, denn wirtschaftlich ist Düsseldorf ein Schwergewicht und dadurch ein attraktiver Partner – auch für solche Riesen wie Moskau. Düsseldorf ist ein beliebter Standort für ausländische Unternehmen, mehr als 200 russische Firmen sind in Düsseldorf angesiedelt. Solche Düsseldorfer Konzerne wie EON oder Metro sind seit Jahren in Russland erfolgreich tätigt. Um die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Moskau und der Hauptstadt von NRW kümmert sich das „Russland Kompetenzzentrum“ – eine Gemeinschaftsinitiative von der Stadt, der Messe und er IHK.

Die Partnerschaft lebt aber nicht nur von der Wirtschaft, sondern auch vom Austausch der Bürger, Bildung und von Schüleraustausch. Die Kultur wird dabei nicht vernachlässigt. Dieses Jahr war das Stanislawskij Ballett mit Gastspielen in Düsseldorf, und die Ballettcompanie der Deutschen Oper am Rhein trat in Moskau auf. Beide Gastspiele waren ein großer Erfolg.

Beim Treffen mit dem Moskauer Amtskollegen Sergej Sobjanin hat man eine Reihe von Vereinbarungen getroffen, um die Zusammenarbeit in der Zukunft zu entwickeln. Während des Mittagessens nach dem protokollarischen Teil im kleinen Kreis konnte Thomas Geisel einiges über die Moskauer Stadtreformen in Erfahrung bringen und war sehr von den „revolutionären Reformen“ von Sobjanin wie die Einführung von Parkgebühren oder Entwicklung der Radwege in der Stadt angetan.

Man hat auch einen Investitionsgipfel mit etwa 50 Teilnehmern durchgeführt. In seinen Gesprächen mit den russischen Unternehmern hat er den Eindruck gewonnen, dass viele in den Sanktionen etwas Positives abgewinnen können. „Einige russische Unternehmen sagen, dass sei das Beste, was Russland passieren könnte“. So hat das Land die Chance, sich von der Abhängigkeit von den Rohstoffen zu befreien. „Vielleicht haben sie ja auch Recht“. Thomas Geisel ist auf jeden Fall fest davon überzeugt, dass auch andere Zeiten in den deutsch-russischen Beziehungen kommen werden. „Deswegen ist es wichtig und gut, dass wir die Kontakte jetzt aufrechterhalten“.

Daria Boll-Palievskaya/russland.RU

Über den Autor

Dr. Daria Boll-Palievskaya
Selbstständige interkutlurelle Trainerin und Coach mit Schwerpunkt Russland. Berät deutsche Unternehmen bei ihrem Engagement in Russland. Freiberufliche Journalistin und Publizistin