Wie sich Russland als WM-Gastgeber schlägt

Wie sich Russland als WM-Gastgeber schlägt

Die Weltmeisterschaft ist das größte Ereignis im Fußball-Kalender. Alle vier Jahre spielen die besten Nationalmannschaften aller kontinentalen Verbände um den Titel des spielstärksten Teams der Welt. Mehrere Nationen  gehen auch bei der diesjährigen WM als Favoriten an den Start. Als Gastgeber wählte der Weltverband FIFA diesmal Russland aus. Allerdings löste das umstrittene Gastgeberland vor dem Turnier einige Bedenken aus.

Russland als Fußball-Land

Russland ist eigentlich nicht als Land bekannt, in dem der Fußball einen allzu hohen Stellenwert genießt. Andere Sportarten, darunter vor allem Eishockey, stehen bei der Bevölkerung viel höher im Kurs. Umso überraschender war es, dass die Weltmeisterschaft bei den Russen inzwischen auf so viel Begeisterung stößt. Einen großen Anteil daran hatte sicherlich das erfolgreiche Abschneiden der eigenen Mannschaft. Das russische Team, das eigentlich als einer der Außenseiter in die Weltmeisterschaft gegangen war, legte mit einem furiosen 5:0-Sieg gegen Saudi-Arabien los und sicherte sich schon mit dem 3:1 im zweiten Spiel gegen Ägypten den vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale. Wer glaubte, dass dort der ehemalige Weltmeister Spanien die Endstation für die russische Mannschaft darstellen würde, sah sich getäuscht: Mit einer aufopferungsvollen Leistung glichen die Russen die frühe spanische Führung noch vor der Halbzeitpause aus und hielten das Unentschieden über 120 Minuten. Im Elfmeterschießen wurde Russlands Torwart Igor Akinfejew zum Helden, als er gleich zwei spanische Versuche parierte. Plötzlich stand das russische Team im Viertelfinale der WM, und spätestens damit löste sie eine ungeahnte Euphorie im Land aus. Zu vergleichen ist diese Dynamik mit der WM 2006, als das deutsche Team im eigenen Land unerwartet bis ins Halbfinale vordrang und mit erfrischendem Fußball das ganze Land erfreute.

Fans aus aller Welt

Auch in Russland ist die Weltmeisterschaft mit zunehmendem Erfolg des heimischen Teams immer beliebter geworden. Auf den Straßen lagen sich russische und ausländische Fans in den Armen und feierten das Fußball-Event gemeinsam. In den Stadien war lautstarkes Jubeln zu hören, das die Stimmung bis in Deutschlands Wohnzimmer transportierte. Leider war der Traum vom Weltmeistertitel für die russische Mannschaft im Viertelfinale ausgeträumt. Gegen Kroatien ging das Team zwar nach einer halben Stunde mit 1:0 in Führung, musste aber kurz darauf den Ausgleich hinnehmen. In der Verlängerung schossen die Kroaten das 2:1, das die Russen fünf Minuten vor Schluss ausglichen. Im anschließenden Elfmeterschießen hielt Igor Akinfejew zwar erneut einen Elfmeter, allerdings reichte dies nicht aus, um die Kroaten zu bezwingen.

Die Schattenseiten

Vor der Weltmeisterschaft stand die Entscheidung der FIFA, Russland zum Gastgeber des Turniers zu machen, bei vielen Beobachtern stark in der Kritik. Auslöser für diese Haltung waren vor allem die Verletzungen der Menschenrechte sowie die Einschränkung der Pressefreiheit durch die russische Regierung. Daher warfen einige Medien im Vorfeld der WM in den Raum, dass sowohl Nationalteams als auch Fans das Turnier boykottieren sollten, um auf die Missstände in Russland aufmerksam zu machen. Zumindest seitens der teilnehmenden Mannschaften kam es jedoch nicht zu einem solchen Boykott. Was ebenfalls ausblieb, waren befürchtete Gewaltausbrüche durch russische Hooligans. Diese hatten vor der Weltmeisterschaft angekündigt, dass sie das Turnier für gewalttätige Auseinandersetzungen mit Hooligan-Gruppen aus anderen Ländern nutzen wollen. Die russische Regierung beschloss daraufhin, sowohl die Öffentlichkeitsarbeit als auch die Sicherheitsmaßnahmen während der WM zu verstärken, um die drohende Gefahr durch gewalttätige Fans abzuwenden. Um die Stimmung im Land nicht negativ zu belasten, beauftragte das Innenministerium von Russland die nationale Polizei damit, während des Turniers keine Berichte über Verbrechen, Ermittlungen oder Untersuchungen an die Öffentlichkeit zu bringen. Üblicherweise informiert die russische Polizei die Bürger über derartige Vorkommnisse. Vom 5. Juni bis zum 25. Juli, also rund um die Weltmeisterschaft herum, wurden daher nur positive Nachrichten im Land verbreitet. Für einigen Unmut sorgte die Entscheidung der FIFA, die tschetschenische Hauptstadt Grosny als Hauptquartier für die ägyptische Nationalmannschaft zuzulassen. Nicht nur praktiziert der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow ebenfalls einen problematischen Umgang mit Menschenrechten, er bekam noch dazu die Gelegenheit, während der WM Propaganda zu machen.

Quellen:

https://www.zeit.de/sport/2018-07/wm-russland-fussball-fans/komplettansicht

https://de.wikipedia.org/wiki/Fußball-Weltmeisterschaft_2018

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