Weitere Unruhen in Kiew – Vermutlich erster Toter

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Die Unruhen im Stadtzentrum der ukrainischen Hauptstadt Kiew halten weiter an. Bei den Auseinandersetzungen sind inzwischen mindestens 150 Menschen verletzt worden, zehn von ihnen schwer. Zudem wurden mehrere radikale Demonstranten von der Polizei verhaftet.

Laut der ukrainischen Nachrichtenagentur Unian soll es den ersten Toten bei den Unruhen gegeben haben. Ein 22-jöhriger Demonstrant soll während der Strassenschlachten von einer 13 Meter hohen Kolonade am „Dynamo-Stadion“ herabgestürzt sein. Wie Sprecher der Demonstranten erklärten, soll er gestern Nachmittag im Krankenhaus verstorben sein.

Eine offizielle Bestätigung steht noch aus, auch der Name des Toten ist nicht bekannt.

Es soll zwar zu Verhandlungen zwischen Regierung und Oppositionsvertretern gekommen sein, jedoch sieht das Ausland die Entwicklung mit Sorge. Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch hatte am Montagabend in einer Fernsehrede alle Seiten zum Beginn eines Dialogs aufgerufen. Die gegenwärtigen Konflikte gefährdeten bereits die gesellschaftliche Sicherheit des Landes. Die Bevölkerung solle daher vernünftig sein und sich nicht an den Auseinandersetzungen beteiligen. Er fügte hinzu, er werde nach allen Kräften die Gesellschaftsordnung wahren. Die Rechte friedlicher Bürger müssten geschützt werden. Janukowitsch forderte zuständige Behörden auf, eine Arbeitsgruppe zu bilden, um die gegenwärtige politische Krise zu lösen.

Der russische Außenminister Sergei Lawrow sagte am Dienstag, die Lage in der Ukraine könnte außer Kontrolle geraten. Die Verschlechterung der Situation sei auf die Einmischung ausländischer Kräfte zurückzuführen. Denn die Aktivitäten der ukrainischen Opposition würden in höchstem Maße vom Ausland aufgehetzt. Dabei sollten innere Fragen des Landes im Rahmen der ukrainischen Gesetze durch Dialog beigelegt werden, ohne dass sich das Ausland darin einmische. Gleichzeitig meinte der russische Außenminister, sein Land sei bereit, in Kooperation mit der EU die Krise in der Ukraine zu lösen.

Darüber hinaus verabschiedete die russische Staatsduma am Dienstag eine Erklärung über die Situation in der Ukraine. Darin werden westliche Politiker aufgeforert, nicht in die inneren Angelegenheiten der Ukraine einzugreifen. Die Aufhetzung zur weiteren Eskalation der Konflikte müsse eingestellt werden. Zugleich müsse die Opposition die gewaltsame Konfrontation in jeglicher Form aufgeben. Nur in einem konstruktiven Dialog mit der Regierung und auf der Basis der strengen Einhaltung der Verfassung und Gesetze könnten alle Probleme der Ukraine gelöst werden. Die ukrainische Bevölkerung sollte ihre Weisheit zeigen, damit das Land eine stabile Zukunft habe.

Die Behörden der Ukraine bitten die Oppositionsführer, ihre Anhänger von der Notwendigkeit zu überzeugen, die Zusammenstöße zu beenden. Das sagte der Sekretär des Rates für nationale Sicherheit und Verteidigung der Ukraine, Andrej Kljujew, am Dienstag in der Hauptstadt Kiew.

„Verhandlungen über einen Ausweg aus der politischen Krise sind kaum denkbar, wenn die Gewalt nicht eingestellt wird. Wir können nicht verhandeln, wenn Vertreter der oppositionellen politischen Kräfte auf der Straße ihre aggressiven Aktionen gegen die Sicherheitskräfte fortsetzen.“ Den Beschluss des Chefs der oppositionellen Partei Udar, Vitali Klitschko, aus den Verhandlungen auszusteigen, bezeichnete der Sekretär als „nicht ganz vernünftig“.

Zuvor hatten Oppositionsführer die Zusammenstöße der Demonstranten mit der Polizei in Kiew scharf verurteilt und die radikal gesinnten Protestler aufgerufen, den Konflikt zu beenden.
Mit Material von CRI-Online, Unian und Stimme Russlands