Weißrussische Arithmetik

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Die Überschrift hätte genauso gut „Speisung der Zehntausend“ lauten können, denn Weißrussland schafft das biblische Kunststück, aus einem Apfel derer fünf zu machen. Jedenfalls zeigen das die Exportzahlen des Landes in Richtung Russland.

Tatsächlich übersteigen die Ausfuhrmengen von diversem Obst und Gemüse um etwa das Fünffache der realen Ertragsmengen des Landes. Laut dem Stellvertreter des Generalstaatsanwalts, Wladimir Malinowskij, wurden von Russland im Jahr 2015 stolze 573.000 Tonnen Äpfel und Pilze aus Weißrussland importiert. Es läge jedoch auf der Hand, dass diese Mengen nie geerntet, geschweige denn in Weißrussland je vorhanden waren.

Erst kürzlich wurde vom weißrussische Ausschuss für staatliche Kontrolle bekannt gegeben, dass eine kriminelle Vereinigung festgenommen wurde, die im großen Stil vermeintlich weißrussische Agrarprodukte mit gefälschten Dokumenten nach Russland geschmuggelt hatte. Offenbar betrieben die Verdächtigten insofern ein lukratives Geschäft, um verhängte Sanktionen zu umgehen.

Das Geschäft mit der illegal über die Grenze verbrachten Ware ist aus nur einem Grund dermaßen lohnenswert für organisierte kriminelle Strukturen. Seit 2014, nachdem Russland ein Einfuhrverbot für zahlreiche Produkte aus Ländern, die ihrerseits ein Embargo gegen Lieferungen nach Russland verhängt haben, erlassen hat, blüht der unerlaubte Grenzverkehr mit Waren aus Drittländern mit falschen Begleitpapieren regelrecht.

Neben Obst und Gemüse fallen auch Fleisch, Wurst, Fisch, Meeresfrüchte und Milcherzeugnisse unter das russische Einfuhrverbot. Vorerst wurden die Sanktionen noch bis zum 31. Dezember 2017 verlängert. Ob bis dahin Russland verhungert oder der Westen pleite ist, wird sich noch weisen.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.