Vorbereitungen zum (Wirtschafts)Krieg

Professor Abdallah Schleifer Foto bibalex.org

Dass Politiker es – um es vorsichtig auszudrücken – mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, ist bedauerlich (ebenfalls vorsichtig ausgedrückt), aber wir haben uns daran gewöhnt und empfinden es als den Normalzustand.

Journalisten obläge es, vorurteillos, ohn‘ Ansehen der Person und uneigennützig die soweit wie möglich objektive Wahrheit – oder wenn dies nicht möglich ist, die „möglichen Wahrheiten“ – zu erforschen und zu verkünden; dies würde die Bezeichnung „vierte Macht“ im Staat rechtfertigen – Journalisten wären damit Kontrolleure derer, denen allzu oft die Macht zu Kopfe steigt.

Ein Missbrauch dieser Macht ist es, wenn Journalisten und die Medien, für die sie arbeiten, bewusst selbst Politik machen, indem sie Informationen manipulieren und einsetzen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Ganz schlimm wird es, wenn Medien und Journalisten im Interesse einer Macht – sei es der eigene, sei es ein fremder Staat, seien es Personen mit wirtschaftlichen Interessen – Informationen selektieren, verbiegen und lancieren. Dann werden Worte zu Waffen und die „Informationen“ zu einem Krieg.

Natürlich ist es Journalisten gestattet, eine eigene Meinung zu haben und diese auch auszusprechen – ganz so, wie jeder Bürger das Recht auf eine eigene Meinung hat (nur kann dieser selbige nicht so öffentlich wirksam „verkünden“). Eine Vermischung von Information und Meinung ist jedoch verwirrend und wo sie zu mehr als zur narzisstischen Selbstdarstellung verwendet wird, ein nahezu verbrecherischer Missbrauch der Macht.

Dies sind Grundregeln des Journalismus, die jedem Novizen dieses verantwortungsvollen Berufes von Anfang an „eingebläut“ werden.

Aber wie sieht die Realität heute aus?

Da werden ohne Recherche und Beweise gewünschte Vermutungen zu harten Fakten erklärt. Missliebige Fakten werden entweder von Vornherein verschwiegen, oder zurechtgebogen (im Extremfall einfach gefälscht) oder wenn ein Fakt schwer zu leugnen ist, wird er mit so vielen Konjunktiven und Fragezeichen versehen, dass er unglaubwürdig erscheint. Oft werden Informationen wider besseres Wissen als wahr dargestellt (kurz zuvor war noch das Gegenteil „wahr“).

Statt die Worte zum Dialog zu gebrauchen – was ihre ureigenste Aufgabe ist – werden sie zum Anheizen von Emotionen, ja zu offener Forderung nach Krieg missbraucht. Man fragt sich, wer hat etwas davon und warum?

Der gebürtige US-Amerikaner und heute emeritierte Journalismus-Professor Abdallah Schleifer (1935) – er lehrte unter anderem in Oxford, Kairo und Washington und berichtet seit über 30 Jahren für amerikanische und arabische Medien wie NBC und „Al Jazeera“ – hat sich in einem Artikel im Debattenmagazin »The Eurpean« zu diesem Thema ebenfalls Gedanken gemacht.
hmw