Volkswagen Group Rus ruft Fahrzeuge zurück

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Der gute alte, oder besser der neue, VW ist in letzter Zeit schon arg ins Gerede gekommen. Allerdings ganz anders als sich das der Automobilkonzern aus dem niedersächsischen Wolfsburg vorgestellt hatte. Zuerst der Skandal um die Manipulationen bei den Abgaswerten in den Vereinigten Staaten und jetzt hat Volkswagen auch noch Probleme in Russland.

Er fahrt und fährt und fährt… So hieß es einst in einem Werbeslogan für den Volkswagen. Gefahren ist er in Amerika auch, nur hat er dort gestunken. Und zwar mehr gestunken, als nach deren Abgasnormen zulässig ist. Die Rechnung bekam natürlich VW ins Haus gereicht und alleine die Rückrufaktion der betroffenen Fahrzeuge trieb den Schaden bereits in die Millionenhöhe. Zudem drohen dem Konzern noch drakonische Geldstrafen von bis zu 18 Milliarden US-Dollar seitens der US-Behörden.

In Russland hat Volkswagen, zumindest bis zum jetzigen Zeitpunkt, keine Probleme, die Normen und Standards in Russland einzuhalten. Der Skandal um manipulierte Abgaswerte treffe Russland bisher nicht, erklärte der russische Industrie- und Handelsminister Denis Manturov. Vielmehr lobe er sich den deutschen Autokonzern aus. Volkswagen sei in Russland sehr effektiv tätig und wende dabei die besten technologischen Lösungen an, so der Minister weiter. Schließlich streicht VW in Russland auch eine nicht unbedeutende staatliche Unterstützung ein. Im Gegenzug erfülle der Autobauer laut Manturov alle Vereinbarungen mit der Russischen Föderation.

Er fährt und fährt… oder auch nicht

Stinken tut er also nicht in Russland, der VW. Aber er fährt dafür nicht mehr. Also fahren täte er eigentlich schon, nur eben nicht gescheit. Bereits die Woche zuvor musste Volkswagen 2.000 Modelle von Jetta, Beetle und Golf, die in den letzten zwei Jahren vom Band liefen, vom Markt zurück rufen. Die Motoren zeigten Auffälligkeiten am Getriebe. Im Klartext bedeutet das für den Benutzer: Fährt, muss aber nicht.

Nun wurde bekannt, dass auch der Touareg zurück in die Garage muss. Diesmal sind gleich rund 4.500 Fahrzeuge des Modells betroffen. Und wieder betrifft es diejenigen, die zwischen 2013 und 2015 durch die Autohäuser gingen. So vermelden es zumindest die russischen Medien mit Berufung auf die Föderale Agentur für Technische Regulierung und Meterologie, Rosstandart. Und erneut geht es um das Getriebe.

Im Besonderen seien es die Automatikschaltungen, die bei Erschütterungen Probleme verursachten, gibt der Automobilbauer unumwunden zu. VW sehe aber bereits eine Lösung. Lediglich eine zusätzliche Rohrhalterung müsse eingebaut werden, damit das Problem behoben sei. Für die Autobesitzer soll die Umrüstung kostenlos sein. Für den Volkswagenkonzern dürfte das zunächst allerdings wie eine bittere Pille auf dem russischen KFZ-Markt wirken. Denn bisher investierte VW schon weit über 500 Millionen Euro in seine ehrgeizigen Pläne auf Russlands Straßen. Erst vor kurzem wurde in Kaluga ein neues Motorenwerk in Betrieb genommen. Und die russischen Offiziellen sind währenddessen immer noch von VW überzeugt.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.